»Lieber Herr Rittmeister, guter Herr Rittmeister,«
sagte er freudig, und seine Augen leuchteten.
Das war die erste Liebeserklärung, die Brand von dem Kinde zu hören bekam. Sie erhellte ihm die Seele bis auf den tiefsten Grund, doch that er, als ob er nichts Neues und Merkwürdiges an ihr fände, und fragte: »Wie geht’s? Wie fühlst Du Dich? Wollen wir heute in die Berge?«
»In die Berge, ja, ja, in die Berge,« wiederholte das Kind, erhob sich, wankte und fiel besinnungslos in Dietrichs Arme.
Er und Pauline brachten ihn zu Bette und labten ihn. Der Arzt, der bald darauf erschien, fand ihn noch in halber Betäubung, sprach sich nicht aus, wollte am Abend wiederkommen. Da war Sophie schon zu Hause, und für sie hatte er nur Worte des Trostes und der Beruhigung. Zu Brand sagte er aber schon am nächsten Tage im Vertrauen:
»Wir schwanken auf einem schmalen Brette über dem Abgrund.«
Und es wurde ein langes, langes Schwanken, eine schwere, schleichende Krankheit. Sie fraß allmählich
die physischen Kräfte des Kindes auf, konnte aber seiner Intelligenz, seiner Phantasie, seiner Güte, allen liebenswürdigen Eigenschaften, die ihn beseelten, nichts anhaben. Sie kamen vielmehr erst recht zu Tage, jetzt, da seine Scheu, zu äußern, was er fühlte, gewichen war.
»Nur nicht aufregen,« warnte der Arzt, »dämpfen! Zerstreuung braucht er jetzt nicht, langweilen soll er sich.«
Aber leider langweilte Georg sich nie; Alles interessirte ihn, ein Schatten, der an der Mauer hinglitt, ein Baumblatt, das durchs offene Fenster hereinflog, gab seinem Geiste überreichen Stoff zu rastlosem Denken und Sinnen.