Nie, niemals hatte ihr Anblick ihn so bewegt in allen Herzenstiefen. Nie war sie ihm so erhaben hold erschienen, Majestät und Lieblichkeit in einer Gestalt.

Brand ließ sie nicht aus den Augen: »Aufrichtig, gnädige Frau,« sprach er, und seine Stimme zitterte, »wie steht’s mit ihm?«

»Gut,« anwortete sie, »ganz gut.«

Er athmete auf, er wurde heiter und gesprächig. Er hatte viel nachgedacht in diesen Tagen der Einsamkeit. Was denkt man nicht Alles zusammen in zweimal vierundzwanzig Stunden!

Seine ganze Vergangenheit war vor ihm lebendig geworden, und die leuchtende Überzeugung hatte ihn durchdrungen, daß er nur zu danken habe.

»Gnädig hat mein Herr und Gott sich mir immer erwiesen, zweimal in meinem Dasein aber allgütig. An dem Tage,« Brand senkte nachdenklich den Kopf, »an dem ich im Begriff war, ein Licht auszulöschen, das er angefacht hatte, und er mich in seiner Huld davor beschützte, den Frevel zu begehen. Ein zweites Mal – da er mich Sie, verehrte Frau, wiederfinden ließ, die ich durch eigene Thorheit verloren hatte und jetzt lieben darf – in Ihren Kindern.«

Sie hatte ihm still und teilnehmend zugehört, nun stand sie rasch auf, sagte ihm Lebewohl und wünschte ihm eine recht gute Nacht.

Peter erhielt den Auftrag, einen Wagen zu nehmen und die gnädige Frau nach Hause zu bringen. So geschah’s, und er kam zurück mit einem Gruß von ihr, und Dietrich ging zur Ruhe und schlief wie ein Gesunder. Er erwachte gestärkt, glücklich, und obwohl es regnete, war für ihn die Welt voll Sonnenschein.

Im Laufe des Vormittags brachte ein Dienstmann einen Brief.

»Von der Frau Majorin,« sagte Peter und überreichte ihn ängstlich und zögernd.