Der Mann und die Frau wechselten wieder einen Blick, den Bertram dieses Mal verstand. Sie hatten sich zurückgelehnt, er beugte sich weit vor, um ihnen in die Augen sehen zu können. Es
war ihm so wohlthuend. Diese Menschen schienen so ganz im reinen mit sich selbst, so friedlich, so ausgeglichen.
»Gnädige Frau,« sagte Bertram, »und Sie, mein edler Retter, Sie halten mich für geistesgestört, ich bin es nicht, ich bin nur entsetzlich nervös. Das wird man in meinem sogenannten Berufe, der nicht der meine ist. Ich bin ein Försterssohn und durch Natur, Geburt, Neigung zum Forstwesen bestimmt.«
Das Ehepaar antwortete mit »So?« – »Ja?« höflich, aber erschreckend kühl, er fühlte, daß er sich unangenehm machte, daß man sein Geschwätz zudringlich fand, und doch war’s, als ob ihm ein Teufelchen auf der Zunge säße, das auf ihr herumhüpfte wie auf einem Trampolin und ihn zwang, all die Überflüssigkeiten vorzubringen.
Die junge Frau benutzte die erste Pause, die er machte, um ihn zu fragen: »Ist es Ihnen sehr unangenehm, wenn ich rauche?«
Er verneigte sich: »O gnädige Frau, wenn Sie rauchen, ist es mir eine Ehre und ein Glück!«
Sie lächelte, jetzt fand sie ihn offenbar wieder
komisch, griff in ihren Reisesack und entnahm ihm eine Cigarrentasche, ein Feuerzeug und die gestrige »Grenzenlose«, die mit dem Sonntagsfeuilleton.
»Jetzt will ich meinen Vogelweid erst genießen,« sagte sie zu ihrem Mann, »in der Stadt kommt man zu nichts. Ich hab’ gestern in die Zeitung grad nur hineingeguckt.« Sie brannte einen ziemlich großen Glimmstengel an, drückte sich behaglich in ihre Ecke und rauchte und las und vergaß in ihrer genußreichen Versunkenheit alles um sich her – nur nicht ihren Mann. Der hatte sich tief hinuntergleiten lassen auf seinem Sitze, einen Fuß an die Wand des Waggons gestemmt, den anderen überschlagen und sah unverwandt zu ihr hinauf.
»Er ist heut’ besonders gut, nicht wahr?« fragte er, wenn sie sich so recht zu unterhalten schien. Sie antwortete mit stummem Kopfnicken, und er suchte ihr Interesse noch zu erhöhen.