Hier brach er ab, denn man hörte das Horn blasen, das uns zum Frühstück rufen sollte, und wir rannten dem Hause zu.
Im Laufe des Morgens nahm ich also richtig ein Leintuch und ein Hemd von der Waschleine auf dem Trockenplatz und steckte beides in einen alten Sack, den ich gefunden hatte; das verfaulte Holz kam auch mit hinein. Ich nannte das ›borgen‹, wie mein Alter immer sagte, Tom aber meinte, das sei gestohlen. Er sagte aber, wir stellten jetzt eben Gefangene vor und Gefangene nähmen alles, was sie kriegen könnten, und niemand sehe sie deshalb schief an und nehme es ihnen übel. Bei einem Gefangenen ist's keine Sünde, wenn er die Dinge stiehlt, die er zu seiner Befreiung braucht, sagte Tom, das ist sein Recht, und so lange wir hier Gefangene vorstellten, hätten wir das Recht, alles und jedes Ding zu stehlen, das wir zu unsrer Befreiung brauchten. Er sagte, wenn wir keine Gefangenen wären, wäre es was ganz andres, nur ein ganz gemeiner, erbärmlicher Kerl stehle, wenn er nicht gefangen sei. Wir beschlossen also, alles zu nehmen, was wir nur irgend brauchen könnten und was uns unter die Finger käme. Mir war das ganz recht und doch fing Tom furchtbar an zu schimpfen, als ich einmal den Niggern eine Melone von ihrem Feld nahm und dieselbe aß. Er zwang mich, hinzugehen und den Kerlen Geld dafür zu bringen, und sagte, das sei ganz was andres und so hätte er's nicht gemeint, das sei gestohlen – gemein gestohlen – wir dürften nur nehmen, was wir wirklich brauchten. Das begriff ich nun nicht. Sag' ich: »Tom, ich hab' die Melone wirklich gebraucht.« Er aber sagte, nein, ich hätte sie nicht genommen, um damit frei zu werden! Das sei der Unterschied! Ja, wenn ich sie gebraucht hätte, um ein Messer drin zu verbergen, sie Jim zuzuschmuggeln, der dann den ›Senneschaal‹, oder wie der Kerl heißt, damit habe töten können, das sei ein ander Ding gewesen. Ich ließ es gut sein, dachte aber bei mir, ich könne den Vorteil, ein Gefangener zu sein, nicht so recht einsehen, wenn man so viel Federlesens machen müsse, so oft man sich einmal eine Wassermelone zu Gemüt führen wolle.
Na, wie ich schon vorher gesagt habe, wir warteten also an jenem Morgen, bis alles im Hause an der Arbeit und niemand mehr im Hofe war, um uns zu beobachten. Dann schleppte Tom den Sack in den Schuppen, während ich Wache stand. Als er wieder herauskam setzten wir uns auf einen Holzstoß und plauderten. Sagt' er:
»Jetzt ist alles in Ordnung, nur noch Handwerkszeug brauchen wir und das ist leicht zu haben.«
»Handwerkszeug?« frag' ich.
»Ja!«
»Handwerkszeug für was?«
»Na, um damit zu graben! Du wirst ihn doch wohl nicht mit den Nägeln herauskratzen?«