Mein nächstes Erlebnis wird wohl von den meisten Leuten als reines zufälliges Zusammentreffen erklärt werden:
Vor Jahren dachte ich manchmal daran, eine Vorlesungstour bei den Antipoden zu machen, gab aber die Idee stets wieder auf, teils wegen der Länge der Reise, teils weil meine Frau es nicht gut möglich machen konnte, mich zu begleiten. Ende Januar letzten Jahres kam nach langer Zwischenzeit plötzlich diese Idee mir wieder in den Kopf – und zwar mit aller Macht und anscheinend ohne jeden Anlaß. Woher kam sie? Was regte sie an? Hierauf komme ich gleich zu sprechen.
Ich war damals, wo ich jetzt bin – in Paris. Ich schrieb sofort an Henry M. Stanley in London und fragte ihn nach verschiedenen Einzelheiten in Bezug auf seine Australische Vorlesungstour, wer das Geschäftliche besorgt hätte, wie die Bedingungen gewesen wären u. s. w. Nach ein paar Tagen kam seine Antwort; sie begann:
»Für Australien und Neu-Seeland ist der Vorlesungsagent par excellence Herr R. S. Smythe in Melbourne.«
Dann teilt er seine Reiseroute, die Bedingungen, eine Aufstellung der Kosten für die Seefahrt und einiges andere mit und riet mir, an Herrn Smythe zu schreiben. Das tat ich auch – am 3. Februar. In den Eingangszeilen meines Briefes sagte ich ungefähr folgendes: er kennte mich zwar nicht persönlich, wir hätten aber einen gemeinsamen Freund in Stanley, und das würde wohl als Einführung genügen. Dann machte ich meinen Vorschlag und fragte, ob er mit mir zu denselben Bedingungen abschließen wollte wie mit Stanley.
Am 6. Februar gab ich meinen Brief an Herrn Smythe auf die Post, und drei Tage später bekam ich einen Brief von demselbigen Smythe, datiert: Melbourne, den 17. Dezember. Ich hätte mich auch nicht mehr gewundert, wenn ich einen Brief vom seligen George Washington gekriegt hätte. Der Brief begann ganz ähnlich wie der meinige – mit einer Selbsteinführung:
»Geehrter Herr Clemens! – Es ist so lange her, seit Archibald Forbes und ich einen so reizenden Nachmittag in Ihrem gemütlichen Hause in Hartford verbrachten, daß Sie dies wahrscheinlich gänzlich vergessen haben.«
Im weiteren Verlauf des Briefes hieß es:
»Ich biete Ihnen« – (hier folgten dieselben Bedingungen, die er Stanley bewilligt hatte) – »für eine Vorlesungstour von etwa drei Monaten bei den Antipoden.«
Da hatte ich also die Antwort auf die einzige wesentliche Frage meines Briefes drei Tage nachdem ich denselben abgesandt. Ich hätte mir die Mühe und das Porto sparen können – und ein paar Jahre vorher hätte ich sie mir auch gespart, denn da hätte ich mir gesagt, der plötzliche starke Antrieb, an einen Fremden auf der anderen Hälfte der Erdkugel brieflich einige Fragen zu richten, sei ein Zeichen, daß die Anregung von dem Fremden ausgehe, und er werde mir von selber auf meine Fragen antworten, wenn ich es einfach abwartete.