Wie kam mir an jenem Tage im Century Club die Ehrenmitgliedschaft in den Kopf? Ich hatte nie zuvor daran gedacht. Ich weiß nicht, warum ich den Gedanken gerade in jenem Augenblick hatte und nicht schon früher, aber ich bin fest überzeugt, daß er in der Vorstandssitzung des ›Lotos‹ entsprang und im Augenblick, wo die Abstimmung vollzogen war, den geraden Weg durch die Luft in mein Gehirn nahm.
Und noch ein Beispiel: Ich weilte zwei oder drei Tage in Hartford als Gast des Rev. Joseph H. Twichell. Ich habe ein Vierteljahrhundert lang bei seinen Kindern die Würde eines Ehrenonkels bekleidet und fuhr jetzt mit ihm nach Farmington, um eine meiner Nichten zu besuchen, die in der berühmten Schule von Frau Porter war. Die Entfernung beträgt acht oder neun englische Meilen. Unterwegs erzählte ich zur Erläuterung irgend einer Behauptung folgende Anekdote:
Vor dritthalb Jahren kam ich mit meiner Familie auf der Reise nach Rom durch Mailand, wo wir Halt machten und im Continental abstiegen. Nach dem Essen ging ich hinunter und setzte mich auf einen Stuhl in den fliesenbelegten Hof, wo die üblichen Zitronenbäume in den üblichen Kübeln standen, und sagte zu mir selber: ›Hier ist’s wirklich gemütlich – gemütlich und ruhig, und kein Mensch kann mich stören; denn ich kenne in ganz Mailand keinen Menschen.‹
In diesem Augenblick stand ein junger Herr auf und streckte mir die Hand hin, wodurch meine im Selbstgespräch aufgestellte Behauptung allerdings ein bißchen zu Schaden kam. Er sagte etwa folgendes:
›Sie werden sich meiner nicht erinnern, Herr Clemens, aber ich erinnere mich Ihrer sehr gut. Ich war Kadett in West Point, als Sie mit Rev. Joseph H. Twichell vor einigen Jahren da waren und eine Vorlesung hielten. Ich bin jetzt Leutnant in der regulären Armee und heiße H. Ich bin mutterseelenallein in Europa auf einem bescheidenen kleinen Ausflug; mein Regiment steht in Arizona.‹
Wir kamen in ein freundliches Gespräch, und dabei erzählte er mir ein kleines Abenteuer, das er vor kurzem gehabt hatte, ungefähr in folgender Weise:
›Ich war in Bellagio, im großen Hotel dort, und vor zehn Tagen verlor ich meinen Kreditbrief. Ich wußte absolut nicht, was ich anfangen sollte. Ich war ein Fremder, kannte keinen Menschen in Europa, hatte keinen Soldo in der Tasche. Ich konnte nicht mal ein Telegramm nach London bezahlen, um mir für den verlorenen Kreditbrief einen Ersatz zu bestellen. Meine Hotelrechnung war eine Woche alt und mußte mir nächstens vorgelegt werden – vielleicht konnte das schon im allernächsten Augenblick geschehen. Ich hatte solche Angst, daß ich dachte ich verlöre den Verstand. Wie ein Verrückter lief ich fortwährend auf und ab, hin und her. Wenn jemand in meine Nähe kam, drückte ich mich schleunigst, denn mochte er aussehen wie er wollte, ich dachte immer, es wäre der Oberkellner mit der Rechnung.
›Zuletzt war ich in solcher verzweifelten Stimmung, daß ich entschlossen war alles zu tun, wobei ich auch nur eine schwache Aussicht auf Hilfe hatte, und so beging ich denn folgende Verrücktheit: Ich sah an einem kleinen Tisch in der Veranda eine Familie beim Frühstück sitzen und erkannte, daß es Amerikaner waren: Vater, Mutter und mehrere junge Töchter – jung, geschmackvoll gekleidet und hübsch, wie durchweg alle unsere Landsmänninnen. Ich ging stracks auf sie los, stellte mich ihnen mit meinem Namen vor, sagte ich sei Leutnant in der Armee, erzählte meine Geschichte und bat um Hilfe.
›Nun raten Sie mal, was der Herr tat? Aber Sie kommen in zwanzig Jahren nicht darauf. Er nahm eine Handvoll Goldstücke heraus und sagte mir, ich möchte nur ganz ungeniert zulangen. Ja, das tat er!‹
Am andern Morgen sagte der Leutnant mir, sein neuer Kreditbrief sei inzwischen angekommen; wir bummelten also zu Cook, und er ließ sich das Geld geben, das er brauchte, um den Wohltäter zu bezahlen. Dann schlenderten wir unter der großen Arkade entlang. Auf einmal sagte er: ›Da hinten sind sie; kommen Sie mit, ich will Sie vorstellen.‹ Ich wurde den Eltern und den jungen Damen vorgestellt; dann trennten wir uns, und ich sah weder ihn noch sie jemals w …