Ich ging daher am Bankgebäude vorüber, bog in eine Nebenstraße ein und begab mich auf den Weg, um die beiden fehlenden Mitglieder der Expedition abzuholen. Eine Droschke wankte an mir vorüber, und ich ließ mich überreden, sie zu nehmen. An Schnelligkeit gewann ich dadurch nichts, aber es war eine ruhevolle Abwechslung, und ich liebe recht viele Ruhe. Der wochenlange Jubellärm wegen des sechshundertsten Geburtstages der schweizerischen Freiheit und der Begründung der Eidgenossenschaft war auf seinem Höhepunkt, und alle Straßen waren mit wehenden Fahnen behangen.

Pferd und Kutscher waren drei Tage lang betrunken gewesen und hatten während dieser ganzen Zeit weder Stall noch Bett gesehen. Sie sahen aus wie ich mich fühlte: schläfrig und katzenjämmerlich. Aber im Laufe der Zeit kamen wir trotzdem an. Ich ging ins Haus und klingelte, und bat ein Dienstmädchen, sie möchte den fehlenden Mitgliedern sagen, daß sie schnell herauskommen sollten. Sie sagte darauf etwas, was ich nicht verstand, und ich kehrte zu meiner Karre zurück. Wahrscheinlich hatte das Mädchen mir gesagt, die Leute wohnten nicht in ihrem Stockwerk, und es würde ratsam sein, wenn ich höher ginge und von Stockwerk zu Stockwerk läutete, bis ich sie fände; denn in diesen schweizerischen Mietskasernen scheint man jemanden nur dadurch finden zu können, daß man geduldig ist und auf dem Wege von unten nach oben die richtige Wohnung zu erraten trachtet. Ich rechnete mir aus, daß ich fünfzehn Minuten würde warten müssen, da bei derartigen Gelegenheiten stets drei unvermeidliche Umstände vorhanden sind; erstens: die Hüte aufsetzen, herunterkommen, einsteigen; zweitens: Umkehren des einen Mitglieds: »um meinen anderen Handschuh zu holen«; drittens: Umkehren des anderen Mitglieds: »um meinen ›kleinen Franzosen in der Westentasche‹ zu holen.« Ich beschloß, diese fünfzehn Minuten hindurch mich mit meinen Gedanken zu beschäftigen und mich nicht zu ärgern.

Es folgte eine recht stille und ereignislose Pause; dann fühlte ich eine Hand auf meiner Schulter und fuhr in die Höhe. Der Störenfried war ein Polizist. Ich sah um mich und bemerkte, daß der äußere Anblick der Szenerie sich geändert hatte. Es war eine recht stattliche Menschenmenge versammelt, und die Leute sahen so vergnügt und neugierig drein, wie sie’s immer tun, wenn irgendwo irgendwer zu Schaden gekommen ist.

Das Pferd war eingeschlafen, der Kutscher auch, und einige Jungen hatten sie und mich von oben bis unten mit bunten Zieraten behangen, die sie von den unzähligen Fahnenmasten gestohlen hatten. Es war ein empörender Anblick! Der Beamte sagte:

»Es tut mir leid, aber wir können Sie nicht den ganzen Tag hier schlafen lassen.«

Ich war verletzt und sagte voll Würde:

»Ich bitte recht sehr – ich schlief nicht; ich dachte!«

»Nun Sie können ja denken, wenn es Ihnen Spaß macht; aber dann müssen Sie bei sich selber denken, Sie stören ja die ganze Nachbarschaft.«

Es war ein armseliger Witz, aber die Menge lachte darüber. Ich schnarche zuweilen nachts, aber es ist unwahrscheinlich, daß ich bei Tage und auf offener Straße so etwas tun sollte! Der Beamte nahm uns die Zieraten ab; unsre Hilflosigkeit schien ihm leid zu tun, und er gab sich wirklich Mühe, anständig zu sein. Er sagte aber, wir dürften nicht länger mehr auf der Straße halten, sonst müßte er uns in Buße nehmen – so laute die Bestimmung, sagte er. Und weiter bemerkte er in höflicher Weise, ich sähe ein bißchen angegriffen aus, und er möchte gern wissen …

Ich sah ihn recht hochnasig von oben bis unten an und sagte, ich wollte doch hoffen, man dürfte solche Tage ein bißchen feiern, besonders wenn sie einen ganz persönlich angingen.