»Heut’ ist Mittwoch. Sie wird Samstag wieder da sein, am Abend – wahrscheinlich so um neun Uhr.«
Ich hatte ein schneidendes Gefühl von Enttäuschung. »Das thut mir leid, weil ich dann wieder fort sein werde,« sagte ich voll Bedauern.
»Fort? Nein – warum sollten Sie denn gehen? Gehen Sie nicht. Sie wird so enttäuscht sein!«
Sie würde enttäuscht sein – das schöne Geschöpf. Hätte sie selber mir diese Worte gesagt, sie könnten mir kaum wohler gethan haben. Ich fühlte ein tiefes starkes Sehnen danach, sie zu sehen. Ein so sehnsüchtiges, so dringliches Verlangen, daß es mir bange machte. Ich sagte zu mir selbst: Ich will stracks von hier fortgehen – um meines Seelenfriedens willen.
»Wissen Sie, sie liebt es, wenn Leute kommen und bei uns bleiben – Leute, die was verstehen und sprechen können – Leute wie Sie. Da hat sie ihre Wonne dran; denn sie selber weiß – o sie weiß beinahe alles, und kann reden, o, wie ein Vogel – und was für Bücher sie liest – wahrhaftig, Sie würden sich wundern. Gehen Sie nicht; es ist ja nur eine kleine Weile und sie würde so enttäuscht sein.«
Ich hörte die Worte, aber achtete kaum darauf, so tief war ich in den Widerstreit meiner Gedanken verstrickt. Er ließ mich allein, aber ich merkte es nicht. Plötzlich war er wieder da mit dem Photographieständer in seiner Hand und hielt mir das Bild vor die Augen und sagte:
»Da! Nun sagen Sie ihr ins Gesicht, Sie hätten hier bleiben können um sie zu sehen, und wollten’s nicht!«
Dieser zweite Anblick machte alle meine guten Vorsätze zu Schanden. Ich beschloß, auf jede Gefahr hin zu bleiben. Am Abend rauchten wir in Ruhe unsere Pfeife und plauderten bis spät in die Nacht von allerlei, besonders aber von ihr und gewiß hatte ich seit vielen Tagen nicht einen so angenehmen und ruhigen Abend verlebt. Den Donnerstag verbrachten wir in aller Behaglichkeit. In der Dämmerstunde kam ein großer Goldgräber, der drei Meilen entfernt wohnte – einer von den grauhaarigen gestrandeten Pionieren. Er begrüßte uns warm, wenngleich er ernst und nüchtern sprach. Dann sagte er:
»Ich spreche bloß ’mal schnell ein um zu hören wie’s mit dem Frauchen steht und wann sie heim kommt. Giebt’s was Neues von ihr?«
»O ja, einen Brief. Möchtest du ihn hören, Tom?«