Am Samstag nachmittag ertappte ich mich darüber, daß ich recht oft die Uhr zog. Henry bemerkte es und sagte mit einem beunruhigten Blick:

»Sie denken doch wohl nicht, sie müßte schon so früh hier sein, was?«

Ich war ein bißchen verlegen, daß er’s gemerkt hatte. Aber ich lachte und sagte, es wäre so eine Gewohnheit von mir, wenn ich mich in großer Erwartung befände. Er schien indessen von dieser Erklärung nicht ganz befriedigt zu sein und ich sah ihm seit diesem Augenblick an, daß er sich unbehaglich fühlte. Viermal nahm er mich mit bis an einen Punkt der Landstraße, von wo man eine große Strecke überblicken konnte; da stand er dann und überschattete seine Augen mit der Hand und spähte aus. Mehreremale sagte er:

»Ich werde aufgeregt – ich werde ganz richtig aufgeregt. Ich weiß, sie kann nicht vor etwa neun Uhr hier sein und doch ist mir’s, als wollte irgend ’ne innere Stimme mir sagen, es sei ihr was zugestoßen. Sie denken doch nicht, es ist ihr was passiert, was?«

Ich fing an, bei mir zu denken, der Mann wäre ja so kindisch, daß es ’ne Schande wäre. Und zuletzt, als er mir noch einmal wieder seine Frage vorwinselte, verlor ich für den Augenblick die Geduld und fuhr ihn ziemlich grob an. Das schien ihn so einzuschüchtern und so kleinlaut zu machen und er sah nachher so verletzt und so niedergeschlagen drein, daß ich mich selber wegen meiner unnötigen Grausamkeit verwünschte. Und so war ich froh, als Charley, ebenfalls einer von den Veteranen, in der Abenddämmerung ankam und sich an Henry heranmachte, um den Brief lesen zu hören und die Vorbereitungen für ihren Empfang zu besprechen. Charley ließ eine muntere Rede nach der anderen los und that sein Bestes, um seines Freundes böse Ahnungen und Befürchtungen zu zerstreuen.

»Ihr was passiert!? Henry, das ist ja der reine Unsinn! Es giebt ja gar nichts, was ihr passieren könnte, darüber mach’ dir nur keine Gedanken! Was stand doch im Brief? Daß es ihr gut ginge, nicht wahr? Und daß sie um neun Uhr hier sein würde, nicht wahr? Hast du je bemerkt, daß sie ihr Wort nicht hielt? Du weißt, du hast es nie bemerkt! Na, dann habe also keine Angst; sie wird hier sein, das steht unumstößlich fest, das ist so gewiß wie daß du geboren bist. Komm, laß uns jetzt ans Ausschmücken gehen; wir haben nicht mehr viel Zeit.«

Ziemlich bald darauf kamen Tom und Joe an, und dann hatten wir alle Hände voll zu thun, das Haus mit Blumen zu schmücken. Gegen neun sagten die drei Goldgräber, sie hätten ihre Instrumente mitgebracht und könnten nun gleich ’mal eins aufspielen, denn die Jungens und die Mädels würden ja nun bald kommen und hätten wohl jedenfalls sich schon auf einen guten Tanz nach alter Art gespannt. Eine Fiedel, ein Banjo und eine Klarinette, das waren die Instrumente. Das Trio nahm Platz, einer neben dem andern, und begann eine betäubende Tanzmusik; dazu stampften sie mit ihren schweren Stiefeln den Takt.

Es war inzwischen nahezu neun Uhr geworden. Henry stand in der Thür und hielt die Augen auf den Weg geheftet und sein Körper schwankte in der Qual seiner Aufregung. Sie hatten mit ihm schon ein paarmal auf seiner Frau Gesundheit und Wohlergehen angestoßen, und jetzt rief Tom: »Nun, Jungens, heran! Noch ein Schluck und sie ist hier!«

Joe brachte die Gläser auf einem Präsentierteller und reichte das Getränk herum. Ich griff nach dem einen von den zweien, die noch auf dem Teller standen, aber Joe brummte halblaut:

»Nicht das! Nehmen Sie das andere!«