»Er züchtete Eiterbeulen. Er hatte ’ne ganze Familie von solchen Dingern. Er that es bloß, damit er nicht auf Wache brauchte.«
Alles was an Lebensmitteln schnell zu erreichen war, wurde von den Leuten und den beiden Passagieren zusammengerafft und auf das Deck geworfen wo der Portugiese lag; dann eilten sie fort, um mehr zu holen. Der Matrose, der es Herrn Burlingame erzählte, fügte hinzu:
»Wir brachten auf diese Weise für die 31 Mann 32 Tagesrationen zusammen.«
Der Dritte Steuermann richtete wiederum seinen Kopf in die Höhe und verbesserte auch diese Angabe, indem er voller Bitterkeit sagte:
»Der Portugiese, der da Schildwache spielte, aß zweiundzwanzig davon auf, während niemand auf ihn acht gab. Ein verdammter Windhund!«
Das Feuer verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit. Rauch und Flammen trieben die Männer zurück, sie mußten halbverrichteter Dinge von der Aufgabe, Lebensmittel zusammenzutragen, Abstand nehmen, und als sie die Boote bestiegen, hatten sie nur zehn Tagesrationen für jeden in Sicherheit gebracht.
Jedes Boot hatte einen Kompaß, einen Quadranten, ein Exemplar von ›Bowditch’s Navigator‹ und einen ›Nautical Almanac‹; die vom Kapitän und vom Ersten Steuermann kommandierten Boote hatten Chronometer. Die Gesamtzahl der Leute betrug 31. Der Kapitän stellte ein Verzeichnis sämtlicher vorhandenen Lebensmittel auf und erhielt folgendes Ergebnis: 4 Schinken, beinahe 30 Pfund gesalzenes Schweinefleisch, eine halbe Kiste Rosinen, 100 Pfund Brot, 12 Zweipfundsdosen mit Austern, Pfahlmuscheln und verschiedenem Eingemachten, ein Fäßchen mit 4 Pfund Butter, 12 Gallonen[1] Wasser in einem 40 Gallonen haltenden Faß, 4 Korbflaschen von je 1 Gallone Inhalt mit Wasser gefüllt, 3 Flaschen Branntwein (Eigentum der Passagiere), einige Pfeifen, Zündhölzer und etwa 100 Pfund Tabak. Keine Arzneimittel. Natürlich mußte die ganze Gesellschaft sofort auf knappe Rationen gesetzt werden.
[1] 1 Gallone = ungefähr 4½ l.
Der Kapitän und die beiden Passagiere führten Tagebücher. Auf unserer Ueberfahrt nach San Francisco gerieten wir mitten auf dem Stillen Ocean in eine Windstille und kamen vierzehn Tage lang nicht einen Klafter vorwärts; dies setzte mich instand, eine Abschrift von den Tagebüchern zu machen. Das von Samuel Ferguson geführte ist das vollständigste; ich will einiges daraus mitteilen. Als die nachstehende Eintragung gemacht wurde, hatte das dem Untergang geweihte Schiff ungefähr vor 120 Tagen den Hafen verlassen und alle Mann an Bord suchten sich mit den üblichen Zerstreuungsmitteln die viele überflüssige Zeit zu vertreiben; an ein Unglück dachte kein Mensch.
2. Mai. 1° 28´ n. Br. 111° 38´ w. L. Wieder ein heißer trägemachender Tag. Einmal versprachen indessen die Wolken Wind und es kam wirklich eine leichte Brise – gerade genug, um uns in Fahrt zu halten. Zu erwähnen ist heute nichts, als daß sich große Mengen Fische um unser Schiff zeigen; am Vormittag wurden 9 Boniten gefangen und mehrere große Thunfische bemerkt. Nach dem Essen bekam der Obersteuermann einen großen Burschen an die Angel; er konnte ihn nicht halten und reichte die Leine dem Kapitän zu, der am Bug stand. Dieser hielt fest und brachte mit einem Ruck den Fisch heraus – aber, schnapp! weg war Leine und Haken und alles. Auch sahen wir, gemächlich hinter unserm Stern herschwimmend, einen gewaltigen Haifisch, der 9 oder 10 Fuß lang gewesen sein muß. Wir stellten ihm mit allen möglichen Angeln und mit einem Stück Schweinefleisch nach; aber er hatte keine Lust anzubeißen. Ich vermute er hatte mit den über Bord geworfenen Köpfen und anderen Ueberresten der Boniten seinen Appetit gestillt.