Wiederum Kopfschütteln. Toms Unruhe wurde größer und größer unter der langsamen Tortur dieses Vorgehens. Der Lehrer betrachtete prüfend die Bänke der Knaben eine Weile, dann wandte er sich zu den Mädchen:

„Amy Lawrence?“

Kopfschütteln.

„Gracie Miller?“

Dasselbe Zeichen.

„Susan Harper, tatest du dies?“

Wiederum Verneinung. Das nächste Mädchen war Becky Thatcher. Tom zitterte von Kopf bis zu Fuß vor Aufregung und dem Gefühl der Machtlosigkeit.

„Rebekka Thatcher“ — (Tom schielte auf ihr Gesicht, es war weiß vor Schreck) — „zerrissest du — nein, sieh mir ins Gesicht“ — (ihre Hände erhoben sich bittend) „zerrissest du dieses Buch?“

Ein Gedanke schoß gleich einer Erleuchtung durch Toms Hirn. Er sprang auf die Füße und rief: „Ich tat‘s! —“

Die ganze Schule war starr vor Staunen über solche Kühnheit. Tom stand einen Moment unbeweglich, um seine Lebensgeister zu sammeln; und als er vorschritt, seine Prügel in Empfang zu nehmen, schienen ihm Überraschung, Dankbarkeit, Anbetung, die aus den Augen der armen Becky zu ihm sprachen, Lohn genug für hundert Trachten Prügel. Begeistert durch den Glanz seiner eigenen Tat, nahm er ohne einen einzigen Schrei die saftigsten Prügel entgegen, die Mr. Dobbins jemals ausgeteilt hatte; ebenso gleichgültig empfing er die grausame Verschärfung der Strafe durch Zuerteilung von zwei Stunden Arrest — denn er wußte, wer draußen auf ihn warten würde, bis seine Gefangenschaft vorüber sei.