Er schlief sofort ein, während ich in kaltem Schweiß gebadet dalag. Der Schreck hatte mich beinahe gelähmt und ich war keines andern Gedankens mehr fähig als: ›Wieviel habe ich enthüllt?‹ ›Wieviel weiß er?‹ – Welche Qual war diese Ungewißheit! Nach und nach aber entwickelte sich eine Idee in mir – ich wollte meinen Bruder aufwecken und ihn mit einem unterschobenen Fall auf die Probe stellen. Ich schüttelte ihn wach und sagte:
»Angenommen, ein Mann käme betrunken zu dir –«
»Das ist Unsinn – ich betrinke mich nie.«
»Ich meine nicht dich, du Dummkopf – ich meine den Mann. Angenommen ein Mann käme betrunken zu dir und borgte ein Messer oder einen Tomahawk oder ein Pistol, und du vergäßest ihm zu sagen, daß es geladen sei, und – –«
»Wie kannst du einen Tomahawk laden?«
»Ich meine nicht den Tomahawk und sagte es auch nicht, ich sagte das Pistol. Und nun unterbrich mich nicht fortwährend in dieser Weise, denn die Sache ist ernst. Es ist ein Mann getötet worden.«
»Was! in unserer Stadt?«
»Ja, in unserer Stadt.«
»Nun, fahre fort – ich will kein einziges Wort mehr sagen.«
»Nun also: angenommen, du vergäßest, ihm zu sagen, er solle sorgfältig damit umgehen, weil es geladen sei, und er ginge nun hin und erschösse sich mit jenem Pistol – indem er damit spielt, weißt du, und wahrscheinlich zufällig, da er betrunken ist. Nun, wäre das ein Mord?«