»Aha! dacht’ ich mir’s doch! Sie fahren um 5 Uhr morgens über Castlemaine – zwölf Meilen – weil der 7.15 Zug über Ballarat zwei Stunden länger unterwegs bleibt. Aber Ihr Billet lautet auf Ballarat – auf den zwölf Meilen ist es ungültig, und die Regierung gestattet nicht –«
»Was kümmert es denn die Regierung, welchen Weg ich wähle?«
»Das weiß der liebe Himmel. In der Eisenbahnverwaltung läßt sie sich nicht drein reden. Zuerst übergab man sie einer Gesellschaft von Blödsinnigen, das war schlimm; dann rief man Franzosen ins Land, die verstanden noch weniger davon; zuletzt übernahm die Regierung die Verwaltung selbst, und nun geht alles rückwärts. Um die Gunst eines Wählers nicht zu verscherzen, der vielleicht zwei Schafe und einen Hund besitzt, baut man ihm eine Bahn wohin er will. So kommt es, daß wir zum Beispiel in der Kolonie Viktoria achthundert Bahnhöfe haben, darunter achtzig, wo an der Kasse kaum zwanzig Schillinge die Woche einkommen.«
»Fünf Dollars? Sie scherzen wohl!«
»Es ist buchstäblich wahr.«
»Aber auf jedem Bahnhof sind doch drei oder vier Beamte angestellt, die ihr Gehalt beziehen.«
»Natürlich. Glauben Sie mir, die Bahnlinie verdient nicht einmal den Zucker in ihren Kaffee. Und gefällig sind die Beamten! Man braucht nur mit irgend einem Lappen zu wehen, so hält der Zug mitten in der Wildnis und läßt den Reisenden einsteigen. Das macht alles Kosten. Und wenn in einer Stadt viele stimmberechtigte Bürger sind, die sich einen schönen Bahnhof wünschen, so wird er gebaut. Sehen Sie sich nur den Bahnhof von Maryborough einmal an! Sämtliche Einwohner haben Platz darin, jeder kann ein Sofa für sich haben und es bleibt noch Raum übrig. Und eine Uhr ist dort – ich sage Ihnen, so etwas hat kein Bahnhof in ganz Europa aufzuweisen. Zum Glück schlägt sie nicht und hat auch keine Glocken, denn in Australien hört das Gebimmel und das ewige dong-dong Tag und Nacht nicht auf. Na, bei so vielen Prachtbauten für die Eisenbahn und Verlust beim Betrieb, können Sie sich schon denken, daß die Regierung irgendwo sparen muß. Das Betriebsmaterial muß herhalten. Achtzehn Güterwagen und für die Passagiere zwei elende Hundelöcher, die so schäbig und liederlich eingerichtet sind wie nur möglich, ohne hygienische Vorkehrungen, ohne Trinkwasser, mit aller nur denkbaren Unbequemlichkeit – das ist der Zug von Maryborough – und langsam geht er, wie eine Schneckenpost. So spart die Regierung ihr Geld. Für Tonnen Goldes baut sie Paläste auf, in denen man ein paar Minuten warten muß, und deportiert einen dann sechs Stunden lang wie den gemeinsten Verbrecher, um die vergeudeten Summen wieder einzubringen. Jeder vernünftige Mensch fühlt sich gern unbehaglich im Wartezimmer, weil ihm dann die Fahrt in einem hübschen, bequemen Zug eine angenehme Abwechslung bietet. Aber gesunden Menschenverstand sucht man bei der Eisenbahnverwaltung vergebens. Und dann steckt sie noch für die zwölf Meilen eine Extravergütung ein, erklärt ihre eigenen Fahrkarten für ungültig und – –«
»Nun aber, jedenfalls kann ich wenigstens –«
»Warten Sie nur, ich bin noch nicht fertig. Ohne den Amerikaner würden Sie überhaupt nicht fortkommen. Zuerst sieht niemand Ihr Billet an, der Schaffner läßt es sich erst zeigen, wenn der Zug schon im Abfahren ist. Dann können Sie kein Extrabillet mehr kaufen, der Zug wartet nicht, und Sie müssen wieder aussteigen.«
»Aber, kann ich es denn nicht dem Schaffner bezahlen?«