»Er ist nicht berechtigt Geld anzunehmen, und nimmt auch keins. Es bleibt Ihnen nichts übrig – Sie müssen heraus. Der Eisenbahnbetrieb ist hier das einzige, was ganz nach europäischem Muster eingerichtet ist – nicht nach englischem, nein, wie auf dem Festland. Alles wird genau so gemacht, sogar das Wiegen des Gepäcks, diese Erzplackerei, fehlt nicht.«
Jetzt hielt der Zug an der Station meines Mitreisenden. Beim Aussteigen sagte er noch: »Jawohl, in Maryborough wird es Ihnen gefallen. Sie treffen dort sehr gebildete Leute. Eine reizende Stadt! Aber das Hotel ist ein wahrer Höllenpfuhl!«
Als er fort war, wandte ich mich an den andern Herrn:
»Ihr Freund ist wohl Geistlicher?«
»Nein, aber er treibt theologische Studien.«
Dreißigstes Kapitel.
Zeit und Flut warten auf niemand! Ein prahlerisches, dünkelhaftes Sprichwort, das sich eine Billion Jahre erhalten hat, aber heutzutage nicht mehr gilt. Wir, mit unsern elektrischen Drähten und den Schiffen mit Wasserballast, kehren es um und sagen: Niemand wartet auf Zeit und Flut. –
Querkopf Wilsons Kalender.
Auf der Fahrt bis Christchurch glaubt man im heutigen England zu sein – die Gegend sieht aus wie ein Garten. Christchurch selbst ist eine englische Stadt, mit englischen Parkanlagen und einem englischen Fluß, der sich gleich dem Avon durch die Landschaft schlängelt – er heißt auch Avon, aber nach einem Manne, nicht nach Shakespeares Fluß. An seinen grünen Ufern stehen die stattlichsten und denkwürdigsten Trauerweiden der ganzen Welt. Sie machen ihrer hohen Abkunft alle Ehre, denn sie sind aus Ablegern der Weide gezogen, die einst Napoleons Grab in Sankt Helena beschattete. In dem guten alten Städtchen finden sich alle Reize und Annehmlichkeiten, alles Behagen und alle Heiterkeit eines idealen Familienlebens beisammen. Man könnte sich einbilden, drüben in England zu sein; es fehlt nichts als die Staatskirche und der Unterschied der Stände.
Das Museum enthält Raritäten. Unter anderm sahen wir ein schönes Haus der Eingeborenen aus alter Zeit; ganz getreu nach der Natur, sowohl die grellen Farben als alle Einzelheiten. Jedes Ding war am richtigen Platz, die hübschen Matten und Teppiche, die künstlichen, wundervollen Holzschnitzereien, deren Muster und feine Ausführung mit Recht unser Staunen erregen, wenn wir bedenken, daß die Eingeborenen dazu keine bessern Werkzeuge hatten, als Feuerstein, Nephrit und Muscheln sie ihnen lieferten. Auch Totems waren da, Pfähle, auf denen sämtliche Ahnherren des Stammes, einer über dem andern, abgebildet sind. Die abscheulichen, häßlichen Teufel waren mit großem Geschick und vieler Liebe geschnitzt; sie streckten alle die Zunge heraus und falteten die Hände behaglich über dem Bauche, in dem sie die Ahnherren anderer Leute begraben hatten. In dem Haus waren auch ausgestopfte Eingeborene als Staffage, jeder wo er hingehörte, als ob sie leibten und lebten, sowie ihr ganzes Hausgerät; dicht dabei lag ein geschnitztes und reich verziertes Kriegskanoe.