Tom warf sich wieder auf das Sofa und preßte die Hände an seine pochenden Schläfen. Die Ellbogen auf das Knie gestützt, wiegte er sich laut stöhnend hin und her.

»Ich habe vor einer erbärmlichen Negerin gekniet,« murmelte er mit verbissener Wut. »Schon vorher glaubte ich den äußersten Grad von Erniedrigung erreicht zu haben – aber das war nichts im Vergleich. Nun – eine Gewißheit bleibt mir wenigstens – es ist freilich nur ein leidiger Trost – tiefer kann ich nicht noch fallen, eine größere Schmach giebt es nicht.«

Doch das war eine voreilige Behauptung.

Als er um zehn Uhr an jenem Abend die Leiter im Gespensterhaus erklomm, sah er bleich und schwach aus, und ihm war elend zu Mute. Roxy hatte ihn kommen hören; sie stand an der Stubenthür und wartete auf ihn.

Das zweistöckige Blockhaus lag unbenützt da, seit vor einigen Jahren das Gerücht entstanden war, es sei darin nicht geheuer. Niemand wollte mehr dort wohnen, bei Nacht vermied man die Gegend ängstlich, auch am hellen Tage machten die meisten Leute lieber einen weiten Bogen, um nicht in die Nähe des gefürchteten Gespensterhauses zu kommen. Mit der Zeit war es in Verfall geraten und drohte einzustürzen, da man keinerlei Ausbesserung vornahm; es stand etwa dreihundert Meter von Querkopf Wilsons Haus entfernt, als letztes Gebäude nach dieser Seite hin, dazwischen war nichts als unbebautes Land.

Tom folgte Roxy in die Stube hinein. In einer Ecke lag eine Schütte reines Stroh, auf dem sie schlief; ihre ärmlichen, aber sauber gehaltenen Kleidungsstücke hingen an der Wand, eine Blechlaterne warf hier und da kleine Lichtflecke auf den Boden, einige alte leere Kisten, die verstreut umherstanden, ersetzten die Stühle. Nachdem sie beide Platz genommen hatten, begann Roxy:

»Ich mach’ kein langes Federlesen und komm’ jetzt gleich zur Sache; vom Geld reden wir nachher – ich hab’s nicht eilig. Was glaubst du wohl, daß ich dir sagen will?«

»Nun du – du – o Roxy, mache mir’s doch nicht so schwer. Schieß los und sage, daß du irgendwie dahinter gekommen bist, in welche Klemme ich mich gebracht habe durch thörichten Leichtsinn und Ausschweifung.«

»Leichtsinn – Ausschweifung – i bewahre! Das ist rein gar nichts im Vergleich zu dem, was ich weiß.«

Tom starrte sie mit offenem Munde an: »Aber Roxy, was soll denn das heißen?«