Jedem Zwilling wurde ein Glas Whisky gereicht. Luigi schwenkte es in der Luft und setzte es dann an die Lippen, während Angelo das seinige hinstellte. Wieder erhob sich ein Geschrei.
»Was soll das bedeuten? Was ist mit dem andern los? Warum will der Blonde uns nicht zutrinken? Wie sollen wir das verstehen?«
Der Vorsitzende zog Erkundigungen ein und erstattete der Versammlung Bericht:
»Wir haben einen unglücklichen Irrtum begangen, meine Herren. Es stellt sich heraus, daß Graf Angelo Capello unsere Ueberzeugung nicht teilt. Er ist eigentlich ein Mäßigkeitsvereinler und hat gar nicht die Absicht gehabt, Mitglied bei uns zu werden. Deshalb wünscht er, daß wir über seine Wahl noch einmal abstimmen. Ich bitte die Herren, dies in Erwägung zu ziehen.«
Nun entstand ein gellendes Gelächter, in das sich lautes Murren und Pfeifen mischte; doch gelang es dem Präsidenten durch den kräftigen Gebrauch der Glocke die Ruhe einigermaßen wiederherzustellen. Ein Mann aus der Menge ergriff das Wort und sagte, daß der Mißgriff zwar sehr zu bedauern sei, doch ließe er sich unmöglich bei der heutigen Zusammenkunft wieder gut machen. Nach den Statuten könne das erst in der nächsten, regelmäßigen Sitzung geschehen. Er wolle keinen Antrag stellen, da das nicht erforderlich sei, doch wünsche er, den Herrn Grafen im Namen des Hauses um Entschuldigung zu bitten und ihn zu versichern, daß die ›Söhne der Freiheit‹ alles thun würden, um ihm seine zeitweilige Mitgliedschaft so angenehm wie möglich zu machen.
Die Rede wurde mit schallendem Beifall aufgenommen. »Ganz einverstanden!« tönte es von allen Seiten. »Mäßigkeitsvereinler oder nicht – er ist doch ein guter Kerl! Laßt ihn leben! Bringt ihm ein Hoch aus, leert die Gläser!«
Auf der Rednerbühne wurden Gläser herumgereicht, man trank auf Angelos Gesundheit und die ganze Versammlung brüllte im Chor:
Hoch soll er leben,
Hoch soll er leben,
Hoch soll er leben,