»Sage, daß es erlogen ist, Pembroke – es kann doch nicht wahr sein!« flüsterte er mit schwacher Stimme.
Die Antwort erfolgte sogleich im kräftigsten Brustton:
»Du mußt doch so gut wie ich wissen, daß es eine Lüge ist, alter Freund. Fließt denn nicht das beste Blut Altvirginiens in seinen Adern?«
»Gott lohne dir’s, daß du so sprichst,« entgegnete der alte Herr voll Innigkeit. »O, Pembroke, es hat mir solchen Stoß gegeben!«
Howard verließ seinen Freund nicht, er brachte ihn heim und ging mit ihm ins Haus. Es war schon dunkel und Zeit zum Abendbrot, aber der Richter dachte nicht an Essen und Trinken. Sein einziger Wunsch war, aus Toms Munde zu hören, daß alles auf Verleumdung beruhe und Howard sollte bei der Erklärung zugegen sein. Tom wurde gerufen und erschien auch sogleich, lahm, zerschlagen und in höchst unglücklicher Verfassung. Sein Onkel hieß ihn sich setzen.
»Man hat uns dein Abenteuer erzählt, Tom,« sagte er, »und uns zum Ueberfluß noch eine hübsche Lüge aufgetischt. Die sollst du mir jetzt gleich zu Schanden machen, daß kein Stäubchen davon übrig bleibt. Welche Maßregeln hast du getroffen? Wie steht deine Sache? Sprich!«
»Sie steht gar nicht mehr,« antwortete der arglose Tom, »es ist alles vorüber. Ich ging mit ihm vor Gericht und klagte. Querkopf Wilson hat ihn verteidigt, es war sein erster Prozeß, den er aber verlor. Robinson hat den elenden Hund wegen thätlicher Beleidigung um fünf Dollars gestraft.«
Howard und der Richter waren gleich bei den ersten Worten aufgesprungen – sie wußten beide nicht warum. Nachdem sie einander eine Weile mit ausdruckslosen Mienen angestarrt hatten, nahm Howard voll stummer Trauer wieder Platz. Des Richters Zorn aber brach in hellen Flammen aus.
»Du erbärmlicher Wicht, du Hund, du Scheusal!« schrie er. »Das wagst du mir ins Gesicht zu sagen! Ist es möglich, daß ein Glied meiner Familie, ein Mensch, dem unser Blut in den Adern fließt, einen Schlag erhält und aufs Gericht läuft, um den Schimpf zu sühnen? Antworte mir!«
Tom ließ den Kopf hängen, sein Schweigen war die beredteste Antwort. Der Onkel starrte ihn mit einem Ausdruck an, in dem sich Scham und ungläubiges Staunen mischten. Er litt zum Erbarmen; endlich fragte er: