Ein schwaches Lächeln glitt über Alonzos Antlitz bei dem Gedanken, daß seine Streifereien aus Liebe ihn in den Augen der Welt zu einem Verrückten gemacht hatten, und er wollte eben seinen Gedankengang weiter verfolgen, als eine schwache, holde Melodie – sozusagen ein Tonschatten, so fern und dünn schien sie – an sein Ohr schlug. Seine Pulse hörten auf zu schlagen; er lauschte mit offenen Lippen und verhaltenem Atem. Das Lied tönte weiter – er harrte, lauschte, erhob sich langsam und unbewußt aus seiner Rückenlage und rief endlich frohlockend aus:
»Sie ist's! sie ist's! O, die göttlichen, um einen halben Ton zu tiefen Noten!«
Er schleppte sich begierig zu der Ecke, aus der die Töne kamen, riß einen Vorhang auf die Seite und entdeckte ein Telephon. Er beugte sich darüber, und als die letzte Note erstarb, brach er in den lauten Ausruf aus:
»O, dem Himmel sei Dank, endlich gefunden! Sprich mit mir, teuerste Rosannah! Das qualvolle Geheimnis ist enthüllt; es war der schurkische Burley, der meine Stimme nachahmte und dich mit unverschämter Rede beleidigte!«
Es folgte eine atemlose Pause, für den wartenden Alonzo ein Menschenalter; dann kam ein schwacher Laut, der sich zur Rede formte:
»O, sage diese köstlichen Worte nochmals, Alonzo!«
»Sie sind die Wahrheit, die reinste Wahrheit, meine Rosannah, und du sollst den Beweis haben, glänzenden und vollen Beweis!«
»O, Alonzo, bleibe bei mir! Verlasse mich keinen Augenblick! Laß mich fühlen, daß du mir nahe bist! Sage mir, daß wir nie wieder getrennt sein sollen! O, diese glückliche Stunde, diese gesegnete, denkwürdige Stunde!«
»Wir wollen sie uns ins Gedächtnis einprägen, meine Rosannah; jedes Jahr, wenn die Uhr diese Stunde schlägt, werden wir sie mit Dankgebeten feiern, unser ganzes Leben lang.«
»Das wollen wir, Alonzo, – ja, das wollen wir!«