Ueber Tagebücher.

Zu gewissen Zeiten wird es der liebste Ehrgeiz eines Menschen, einen getreuen Bericht über sein Thun in einem Buche aufzubewahren, und er stürzt sich in diese Arbeit mit einer Begeisterung, als ob ein Tagebuch zu führen die heiligste Pflicht und der größte Genuß in der Welt sei. Aber wenn er nur einundzwanzig Tage verlebt hat, so wird er finden, daß nur jene seltenen Naturen voll Ausdauer, Hingebung an die Pflicht und unbesiegbarer Entschlossenheit sich an ein so gewaltiges Unternehmen, wie es das Führen eines Tagebuchs ist, wagen können, ohne eine schmachvolle Niederlage zu erleiden.

Als ich auf der Quaker-City meine erste Reise nach Europa machte, hatten wir an Bord einen jungen Mann, Namens Jack. Dieser prächtige junge Bursche hatte ein Tagebuch angefangen und pflegte über seine Fortschritte jeden Morgen in der glühendsten und aufgewecktesten Weise zu berichten. Eines Tages fing er an:

»O, ich komme höllisch gut fort damit. Ich schrieb letzte Nacht zehn Seiten in mein Tagebuch – und wissen Sie, ich hatte die Nacht vorher neun und die Nacht vor dieser zwölf geschrieben. Je nun, das ist reiner Spaß.«

»Was finden Sie denn Aufzeichnenswertes, Jack?«

»O, alles! Längen- und Breitengrade, Mittagszeit, und wie viele Meilen wir in den letzten vierundzwanzig Stunden gemacht haben, und alle die Spiele Domino und Pferdebillard, die ich gewonnen habe, und Walfische und Haie und Schweinfische und Sonntags den Text der Predigt (wissen Sie, weil das zu Hause was gelten wird), und die Schiffe, die wir salutierten, und welcher Nation sie angehörten, und was für Wind war, und ob es eine schwere See gab, und was für Segel wir führten, obwohl wir eigentlich niemals welche führen, da wir immer den Wind von vorn haben – möchte wissen, was der Grund davon ist – und wie viele Lügen Moult uns erzählt hat. O, alles! Ich habe alles schwarz auf weiß. Mein Vater hieß mich dieses Tagebuch führen. Vater würde es nicht für tausend Dollars hergeben, wenn ich's fertig kriegte.«

»Nein, Jack, es wird mehr als tausend Dollars wert sein – wenn Sie es fertig kriegen.«