Ich that ihr den Willen, aber auf meine Weise. Als ich dem Herrn vorgestellt war, sagte ich: »In dergleichen Dingen habe ich meinen besonderen Aberglauben, der aber wohl beachtet zu werden verdient. Wenn Sie sofort nach San Francisco telegraphieren, werden Sie binnen vierundzwanzig Stunden Nachricht erhalten, vielleicht nicht gerade von dort, aber jedenfalls irgendwoher. Telegraphieren Sie nur schnell, das ist alles was nötig ist. Die Nachricht wird in vierundzwanzig Stunden eintreffen, einerlei, ob Sie das Telegramm nach Peking schicken oder sonstwohin. Die Verzögerung ist nur dadurch entstanden, daß Sie Ihr Telegramm nicht sofort abgehen ließen, als Sie zuerst Neigung dazu verspürten.«

Wie thöricht es auch erscheinen mag, der Mann ließ sich wahrhaftig von dem Unsinn beeinflussen; er erheiterte sich sichtlich, schickte die Depesche ab und als am nächsten Tage ein langer Brief von dem verlorenen Sohn ankam, war er mir so dankbar, als hätte mein Rat wirklich die Ankunft des Briefes beschleunigt. Der Sohn hatte von San Francisco aus eine Reise im Segelschiff angetreten und erst nach Monaten in dem ersten Hafen, den er berührte, Gelegenheit gefunden, den Eltern Nachricht zu geben.

Dies Beispiel hat wenig Bedeutung und beweist nichts; ich erwähne es nur um zu zeigen, wie sehr das ewige Briefkreuzen meinen Aberglauben inzwischen verstärkt hatte. Ich war so fest davon überzeugt, daß ein irgendwohin gerichtetes Kabeltelegramm sich mit den ersehnten Nachrichten kreuzen würde, daß meine Zuversicht sogar einen Hoffnungslosen aufzurichten und zu ermutigen vermochte.

Ich lasse hier einige Beispiele von absoluter Gedankentelegraphie folgen:

An einem Montagmorgen, als die Postsachen hereingebracht wurden, sagte ich, auf einen der Briefe deutend, zu meinem Freunde: »Ich will dir angeben, was dieser Brief enthält, ohne ihn zu öffnen. Er kommt von Frau X., welche schreibt, daß sie letzten Sonnabend in New York gewesen ist und die Absicht gehabt hat, mit dem Nachmittagszug einen Abstecher zu machen, um uns zu überraschen, im letzten Augenblick sich aber anders besonnen habe und nach Hause gefahren sei.«

Alle Einzelheiten stimmten genau. Und doch hatten wir vorher nicht im mindesten daran gedacht, daß Frau X. nach New York kommen und beabsichtigen würde, uns zu besuchen.


Ich rauche ziemlich stark, ja – ich gestehe es – fast ohne Unterbrechung. Daher versuche ich seit sieben Jahren, eine Schachtel mit Streichhölzchen hinter einem Bild auf dem Kaminsims immer bereit zu haben. Leider blieb es aber bei dem Versuch, denn George, mein schwarzer Diener, der Feuer und Gas anzuzünden hat, brauchte dazu immer meine Streichhölzchen, ohne daß ihm je einfiel, sie wieder an ihren Platz zu stellen. Sieben Jahre lang gingen Befehle und Bitten spurlos an ihm vorüber. Letzten Sommer nun kehrten wir nach einer mehrmonatlichen Abwesenheit nach Hause zurück und beim Eintreten sage ich zu einem Familiengliede:

»Nach so langen Ferien und gänzlichem Mangel an Unterbrechungen – –«