»›Wie beneide ich Sie um dieses Glück. Was sprach er denn noch – o, teilen Sie mir seine Abschiedsworte mit!‹
»›Er sagte – er sagte – o mein Kopf, mein Kopf, mein Kopf! Nichts, gar nichts sagte er als: Knips' ein, knips' ein das Fahrpapier! – Seien Sie barmherzig, Verehrteste; ich beschwöre Sie, dringen Sie nicht weiter in mich, überlassen Sie mich meinem Wahnsinn, meinem Jammer, meiner Verzweiflung. – Sechs-Cents-Fahrt, ein gelb' Papier – Drei-Cents-Fahrt, ein rot' Papier – nein, länger ertrage ich es nicht – Zahlt die Taxe der Passagier.‹«
Mein Freund schwieg erschöpft und sah mich wohl eine Minute lang mit stieren Blicken an.
»Mark,« stieß er endlich mühsam heraus, »bin ich denn ganz verloren? Du erwiderst kein Wort, du giebst mir keine Hoffnung! Ach, ich sehe es ein, mir kann niemand helfen; Worte vermögen mir keinen Trost mehr zu geben – mein Geschick ist unabwendbar. Eine innere Stimme sagt mir, daß meine Zunge verdammt ist, in alle Ewigkeit nach dem unsinnigen Reimgebimmel hin und her zu pendeln. Da – da kommt es schon wieder: Acht-Cents-Fahrt, ein blau' Papier – Sechs-Cents-Fahrt, ein gelb' Papier – –«
Schwächer und schwächer klang seine Stimme, bis er endlich in einen wohlthätigen Starrkrampf verfiel, der ihn auf eine kurze Frist seinen Qualen entrückte.
Wie aber rettete ich ihn schließlich vor dem Irrenhause? Ich reiste mit ihm nach der ersten besten Universität und ließ ihn seine Last und Pein auf die armen, nichtsahnenden Studenten abladen, welche die Reime mit gierigen Ohren einsogen. Fragt mich nicht, in welchem Zustand sie sich dort jetzt befinden. Die Folgen sind zu trostlos, als daß ich sie zu schildern vermöchte.
Was mich trieb, dies alles niederzuschreiben, war nur die edle Absicht, dich, lieber Leser, zu warnen. Solltest du je irgendwo auf jene unheilvollen Verse stoßen, so fliehe sie – fliehe sie wie die Pest! –