Tom war natürlich der Erste bei der Leiter; er kletterte ein Stück hinauf und wartete auf mich; sobald ich glücklich auf der untersten Stufe stand, rief er Jim zu, er sollte losrutschen. Aber Jim hatte völlig den Kopf verloren und sagte, er wüßte nicht mehr, wie’s gemacht würde. Tom kletterte daher weiter hinauf und sagte, ich sollte nachkommen; aber der Löwe war schon ganz in der Nähe und stieß bei jedem Sprung ein ganz fürchterliches Gebrüll aus; davon zitterten mir die Beine dermaßen, daß ich nicht wagte, mich von der Sprosse zu rühren, denn ich dachte, wenn ich den einen Fuß hochhöbe, so würde der andere allein mich nicht mehr tragen können.

Inzwischen aber hatte Tom sich in die Gondel hineingeschwungen; er ließ den Ballon ein Stück in die Höhe gehen, hielt aber sofort wieder an, als das Ende der Strickleiter zehn oder zwölf Fuß über dem Boden war.

Und da war auch schon der Löwe. Wie tobte er unter mir herum, wie brüllte er, wie sprang er in die Höhe und schnappte nach der Leiter! Es sah aus als verfehlte er sie nur um Viertelszollbreite. Es war ja köstlich, wirklich köstlich, außer seinem Bereich zu sein, und ich empfand dies als ein ungeheuer angenehmes Gefühl, wofür ich herzlich dankbar war; andererseits aber hing ich hilflos da und konnte nicht hochklettern, und dabei wurde mir denn wieder sterbensübel zu Mute. Es kommt wohl sehr selten vor, daß jemand derartig gemischte Gefühle empfindet, und im großen und ganzen kann ich eine derartige Situation nicht für empfehlenswert erklären.

Tom fragte mich, was er anfangen sollte, aber ich konnte ihm daraufhin keinen Bescheid geben. Er meinte, ich könnte mich vielleicht so lange festhalten, bis er nach einem sicheren Platz gesegelt wäre, wohin der Löwe nicht so schnell mitlaufen könnte. Ich antwortete, es würde mir wahrscheinlich möglich sein, wenn er den Ballon nicht höher steigen ließe; aber wenn er höher ginge, so würde ich ganz gewiß schwindlig werden und herunterfallen.

»Halt dich nur ordentlich fest!« rief Tom, und damit segelte er los.

»Nicht so schnell!« schrie ich. »Mir wird schon gelb und grün vor den Augen!«

Er war nämlich mit Blitzzugsgeschwindigkeit abgefahren. Tom mäßigte die Schnelligkeit und wir glitten langsamer über den Sand hin; aber es ist und bleibt doch im höchsten Grade ungemütlich, wenn man in lautloser Stille den Boden so unter sich weggleiten sieht.

Mit der Lautlosigkeit nahm es indessen sehr bald ein Ende, denn der Löwe kam uns nachgesprungen. Und sein Gebrüll wurde beantwortet. Wir sahen die Bestien aus allen Himmelsrichtungen herangehopst kommen und im Nu waren ein paar Dutzend unter mir. Sie sprangen nach der Leiter und fauchten sich gegenseitig an und schnappten nacheinander. So rutschten wir übers Land hin und die braven Löwen taten, was in ihren Kräften stand, um uns das Erlebnis unvergeßlich zu machen; und es kamen immer mehr Bestien – sie schienen es nicht für nötig zu halten, eine Einladung von uns abzuwarten – und das Getümmel unter uns wurde unbeschreiblich.

Wir sahen ein, so konnte es nicht weiter gehen. Wenn wir nicht schneller segelten, wurden wir die Löwen nicht los, und ich konnte mich nicht ewig an der Strickleiter festhalten, denn dazu reichten meine Kräfte nicht.