»Das is sie wieder, Massa Tom! Da is diese See, un nu wissen ich, ich müssen sterben, denn wenn eine Mensch einen Gespenst das dritte Mal sehen tun, dann sein es alles aus! O! Wenn ich doch nie un nie in diese Ballone gekommen wäre! O, nie un nie!«
Er wollte gar nicht mehr durchs Fernrohr gucken, und seine Worte machten mir ebenfalls Angst, denn ich wußte, er hatte ganz recht; genau so geht es mit Gespenstern immer zu. Und darum wollte ich auch nicht durchgucken. Wir baten beide Tom, er möchte doch abstoppen und in ’ner anderen Richtung segeln, aber das wollte er nicht; er sagte sogar, wir seien alle beide unwissende, abergläubische Windbeutel. Jawohl! dachte ich bei mir selber, das wird ihm recht bald schlecht bekommen; daß er Geister auf solche Weise beleidigt. ’ne Zeitlang sehen sie’s vielleicht geduldig mit an, aber immer lassen sie sich es nicht gefallen; denn wer auch bloß ein bißchen mit Geistern Bescheid weiß, der weiß, wie empfindlich und leicht beleidigt und wie rachsüchtig sie sind.
So waren wir denn alle drei ruhig und still: Jim und ich, hatten Angst, und Tom machte sich mit dem Steuerapparat zu schaffen. Nach ’ner kleinen Weile ließ er das Luftschiff ganz stillstehen und sagte:
»Na, nun mal den Kopf hoch und euch umgeschaut, ihr Wasserköpfe!«
Wir taten’s, und richtig – da war Wasser gerade unter uns! Klar und blau und kalt und tief, und von einer leichten Brise gekräuselt – der reizendste Anblick, den man sich nur denken kann. Die Ufer waren ringsherum mit Gras und Blumen bewachsen, mit schattigen Wäldchen von großen Bäumen bestanden, zwischen denen sich Weinreben rankten. Und alles sah so friedlich und so gemütlich aus – so wunderschön, daß man hätte geradezu laut herausweinen mögen.
Jim weinte wirklich und tanzte dazu und heulte dann wieder, so dankbar war er und vor Freuden ganz außer sich. Ich hatte die Wache und mußte daher an Bord bleiben; aber Tom und Jim kletterten runter und tranken jeder ein Faßvoll und ließen mir auch was zukommen, und ich habe in meinem Leben Manches genossen, was gut schmeckte, aber nichts, was sich mit diesem Wasser auch nur annähernd vergleichen ließe!
Dann gingen Tom und Jim ins Wasser und schwammen ein Stückchen; hierauf kam Tom an Bord und löste mich ab, und ich schwamm mit Jim in den See hinaus. Dann löste Jim wieder Tom ab, und ich und Tom veranstalteten einen Wettlauf und ein kleines Boxen. Und ich glaube, so wohlig hab’ ich mich in meinem ganzen Leben nicht gefühlt. Die Hitze war gar nicht so übermäßig, weil es schon auf den Abend zuging; außerdem hatten wir nicht ein einziges Stück Zeug an. Kleider sind ja ganz schön und gut in der Schule und in Städten und meinetwegen auch auf Bällen, aber es wäre ja gar kein Sinn und Verstand drin, Kleider zu tragen, wenn keine Zivilisation mit all ihrem Getue und Genörgele in der Nähe ist.
Auf einmal schreit Jim:
»Löwen! Löwen kommen! Schnell, Massa Tom! Lauf was du kannst, Huck!«