Das war ’ne unbestreitbare Tatsache, und Tom wußte ’ne Minute lang nichts zu erwidern. Dann sagte er aber:
»Hör’ mal zu: die Sache läßt sich trotz alledem machen, und ich will dir sagen, wie. Du nimmst die Richtung mit dem Kompaß und segelst gerade wie ein Pfeil immer westlich, bis du die Vereinigten Staaten findest. Ein Versehen ist dabei nicht möglich, denn es ist das erste Land, das du auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans antriffst. Wenn du bei Tage ankommst, so fährst du gleich weiter, direkt westlich vom oberen Teil der Küste von Florida und in eindreiviertel Stunden stößt du auf die Mündung des Mississippi – wenn du mit der Geschwindigkeit fährst, die ich dir vorschreiben werde. Du wirst so hoch oben in der Luft sein, daß dir die Erde sehr gekrümmt vorkommen wird – ungefähr wie ’ne umgestülpte Waschschüssel – und du siehst da unten ’ne Menge Flüsse durcheinander krabbeln, lange schon, ehe du in die tieferen Luftschichten herunter kommst; den Mississippi wirst du ohne jede Schwierigkeit dazwischen herausfinden, denn er ist bei weitem der größte von ihnen. Dann folgst du in beinahe nördlicher Richtung dem Lauf des Flusses, eindreiviertel Stunden lang, bis du den Ohio einmünden siehst; nun mußt du anfangen scharf aufzupassen, weil du jetzt schon in die Nähe kommst. Zu deiner Linken aufwärts siehst du einen anderen Strom einmünden, das ist der Missouri, ein bißchen oberhalb der Stadt St. Louis. Du steigst dann noch tiefer herab, damit du während der Fahrt die kleinen Städte dir ansehen kannst. In den nächsten Viertelstunden wirst du ungefähr bei fünfundzwanzig vorbeikommen, und du wirst unser Städtchen erkennen, sobald du’s siehst – und wenn du’s nicht erkennst, so brauchst du bloß ’runterzurufen und zu fragen.«
»Is das so leicht, Massa Tom, so denken ich, wir können es machen – jawoll, ich wissen, wir können.«
Der Führer war ebenfalls davon überzeugt und meinte, er würde es in einer ganz kleinen Weile lernen, seine Wache zu halten.
»Jim kann Euch die Geschichte in ’ner halben Stunde beibringen,« sagte Tom. »Der Luftballon ist so leicht zu handhaben wie ein Kanoe.«
Dann holte Tom die Karte hervor, zeichnete den Kurs hin und maß den Weg aus und sagte:
»Der westliche Weg ist der kürzeste, wie ihr seht. Es sind bloß etwa siebentausend Meilen. Wenn ihr östlich fahrt, so ist’s mehr als doppelt so weit.« Dann wandte er sich an den Führer und fuhr fort: »Ich wünschte, daß ihr alle beide während eurer Wache auf den Geschwindigkeitsanzeiger acht gebt, und wenn er nicht dreihundert Meilen in der Stunde angibt, so steigt ihr höher oder tiefer, bis ihr eine Orkanströmung findet, die in eurer Richtung weht. Der alte Kasten hier macht seine hundert Meilen in der Stunde, ohne daß man überhaupt den Wind zu Hilfe zu nehmen braucht. Zweihundert-Meilen-Stürme findet ihr, so oft ihr einen haben wollt. Manchmal werdet ihr ein paar Meilen hoch steigen müssen, und da oben wird es verflixt kalt sein; meistens aber werdet ihr euren Sturm ein gutes Stück tiefer finden. Wenn ihr nur ’nem Zyklon begegnen könntet – das wär’ für euch ein gefundenes Fressen. Ihr werdet aus des Professors Büchern sehen, daß sie in diesen Breiten westlich ziehen, und noch dazu in geringer Höhe.«
Hierauf rechnete Tom ein Weilchen und fuhr dann fort:
»Siebentausend Meilen – dreihundert Meilen in der Stunde – ihr könnt die Spazierfahrt in einem Tag, also vierundzwanzig Stunden, machen. Heute haben wir Donnerstag; ihr werdet also Samstag nachmittag wieder hier sein. So, nun packt mir ein paar Decken, Lebensmittel, Bücher und dergleichen für mich und Huck aus, und dann könnt ihr gleich abfahren. Von Rumtrödeln mag ich nichts wissen – ich muß meine Pfeife haben, und je schneller ihr sie mir bringt, desto besser.«