»Komm in meine Arme, du armes unschuldiges Ding! …«


Am andern Morgen war die unglückliche Mutter nicht imstande, das Bett zu verlassen. Aerzte und barmherzige Schwestern saßen bei ihr und flüsterten ab und zu miteinander; Abby durfte nicht ins Zimmer kommen; man hatte ihr gesagt, sie solle auf die Straße gehen und spielen – Mama sei sehr krank. Ganz eingepackt in dicke Wintersachen ging das Kind vors Haus und spielte eine Weile; dann kam ihr der Gedanke, es sei doch sonderbar und eigentlich unrecht, daß Papa so lange im Tower bliebe, während Mama so krank war. Sie wollte mal nach Papa sehen.

Eine Stunde später trat das Kriegsgericht vor den Obergeneral. Aufrecht, mit finsterer Miene, die Fingerknöchel auf den Tisch gestützt, stand er da und bedeutete dem Wortführer durch eine Gebärde, zu sprechen. Dieser sagte: »Wir haben sie dringend ersucht, sich die Sache noch einmal zu überlegen; wir haben sie beschworen, allein sie bleiben bei ihrer Weigerung, das Los zu ziehen. Sie sind willens, zu sterben, aber nicht die Vorschriften ihrer Religion zu übertreten.«

Der Protektor machte ein finsteres Gesicht, jedoch er schwieg. Eine Zeitlang blieb er in Gedanken versunken, dann sprach er: »Sie sollen nicht alle sterben; das Los soll für sie gezogen werden.« Die Anwesenden vernahmen es voll Dankbarkeit. »Holt sie her! Führt sie in dieses Zimmer hier! Dort sollen sie sich aufstellen. Mit dem Gesicht nach der Wand, die Hände hinter sich gekreuzt. Meldet mir, wenn sie da sind.«

Als Cromwell wieder allein war, setzte er sich und gab einem Adjutanten den Befehl: »Bringen Sie mir das nächste beste kleine Kind herein, das draußen vorbei geht!«

Kaum hatte sich die Tür hinter dem jungen Offizier geschlossen, als er auch schon wieder zurückkam, mit Abby an der Hand, auf deren Kleidern der Schnee schimmerte. Die Kleine ging ohne Scheu auf das Staatsoberhaupt zu, bei dessen bloßem Namen Fürsten und Könige zitterten; sie kletterte ihm auf den Schoß und sagte:

»Dich kenne ich; du bist der Obergeneral; ich habe dich schon gesehen, als du einmal an meinem Haus vorbeigekommen bist. Alle hatten Furcht vor dir, aber ich nicht, weil du mich nicht so bös angesehen hast. Nicht wahr, das weißt du noch! Ich hatte mein rotes Kleid an – das mit den blauen Dingern vorne. Weißt du das nicht mehr?«

Ein Lächeln ging durch die harten Züge des Protektors, und er zögerte diplomatisch mit der Antwort.

»Ja, doch … ich muß mich besinnen, … es war …«