»Von ganzem Herzen … ich bin sogar stolz darauf. Da – der ist für dich … und der ist für sie. Du hast mich darum gebeten, und du hättest es mir befehlen können, denn du vertrittst jetzt ihre Stelle, und was du mir befiehlst, muß ich ausführen.«
Das Kind klatschte in die Hände vor Freude über diese neue Machtstellung, dann schlug ein Geräusch an ihr Ohr: der gleichmäßige Schritt marschierender Männer.
»Soldaten! Soldaten! Abby möchte sie so gerne sehen.«
»Du sollst sie sehen, mein Kind; aber warte einen Augenblick, ich habe einen Auftrag für dich.«
Ein Offizier trat ein, grüßte und sprach: »Die Verurteilten sind zur Stelle, Sir.« Dann grüßte er wieder und ging.
Das Staatsoberhaupt gab Abby drei kleine Kugeln aus Siegelwachs. Zwei davon waren weiß und eine rot; diese sollte den Oberst, der sie erhielt, zum Tod verurteilen. »O, was für eine schöne rote! Sind die alle für mich?«
»Nein, Herzchen, sie sind für andere Leute. Die Türe dort, die der Vorhang verdeckt, ist offen, gehe hindurch in das anstoßende Zimmer; dort wirst du drei Männer in einer Reihe stehen sehen, mit den Händen auf dem Rücken, – so – und jeder hält eine Hand offen, wie eine Schale. In jede von den drei offenen Händen lege eine von diesen Kugeln und komme dann zurück zu mir.«
Abby verschwand hinter dem Vorhang und der Protektor blieb allein. Er sagte mit heiliger Ehrfurcht: »In meiner Verwirrung kam mir dieser Gedanke gewiß von Ihm, der eine allgegenwärtige Hilfe ist denen, die bedrängt sind und seinen Beistand suchen. Er weiß, auf wen die Wahl fallen soll, und hat mir diesen sündenreinen Boten geschickt, damit sein Wille geschehe. Wir Menschen können irren, aber Er irret nie. Wunderbar sind Seine Wege und unergründlich Seine Weisheit … gelobet sei sein heiliger Name!«
Als die kleine Elfe den Vorhang hinter sich fallen ließ, betrachtete sie einen Augenblick mit lebhafter Neugier das Zimmer, die unbeweglichen Gestalten der Soldaten und die drei Gefangenen. Dann glitt ein Leuchten über ihr Gesicht und sie dachte bei sich: »Einer davon ist Papa; ich kenne ihn von hinten. Er soll die schönste haben!« Vergnügt lief sie hinzu und legte die Wachskugel in die offenen Hände; dann wandte sie, unter dem Arm ihres Vaters hindurchguckend, diesem ihr lachendes Gesicht zu und rief:
»Papa, Papa! Sieh’ nur, was du bekommen hast. Ich habe es dir gegeben!«