Der Oberst warf einen Blick auf die unheilvolle Gabe, sank in die Kniee und drückte, überwältigt von Liebe und Leid, die unschuldige kleine Vollstreckerin seines Todesurteils an die Brust. Soldaten, Offiziere, die beiden begnadigten Obersten, alle standen einen Augenblick wie gelähmt von der Ungeheuerlichkeit dieser Tragödie, dann aber übermannte sie die Rührung über den jammervollen Auftritt; ihre Augen füllten sich mit Tränen, und sie schämten sich nicht zu weinen. Ein feierliches, tiefes Schweigen herrschte während der nächsten Minuten, dann ging der Offizier der Wache mit Widerstreben auf seinen Gefangenen zu, berührte ihn an der Schulter und sagte in sanftem Ton:

»So leid es mir tut, Sir … aber meine Pflicht gebietet mir.«

»Gebietet was?« fragte das Kind.

»Ich muß ihn wegführen …«

»Wegführen? Wohin denn?«

»Nach … nach … Gott stehe mir bei! … nach einem anderen Teil der Festung.«

»Aber das geht jetzt wirklich nicht. Meine Mama ist krank und ich hole ihn nach Haus.«

Sie wand sich los und kletterte ihrem Vater auf den Rücken, indem sie ihre Arme um seinen Hals schlang: »Komm, Papa, wir wollen jetzt gehen.«

»Mein ärmstes Kind, ich kann nicht. Ich muß mit ihm gehen.« Das Kind sprang zu Boden und sah verwundert um sich. Dann lief es auf den Offizier zu, stampfte mit dem kleinen Fuß ärgerlich auf den Boden und rief:

»Ich habe dir doch gesagt, daß meine Mama krank ist, und du hast es wohl gehört. Laß’ ihn gehen – du mußt