»… Kontre-Admiral und der Kontre-Admiral erzählt es dem Vize-Admiral, und der Vize-Admiral dem Admiral der Ruderflotte, und der sagt’s dem Admiral der Segelflotte, und dieser dem Ober-Admiral beider Flotten, und der dem Wesir, und der Wesir dem …«

»Weiter, Achmet, weiter!«

»… Scharfrichter, und der erzählt es dem Ober-Scharfrichter, und der dem Pascha, und der Pascha dem Mufti, und der Mufti dem Hofjagdmeister, und der Hofjagdmeister sagt es dem Hofmarschall, der Hofmarschall dem Ober-Stallmeister, der Ober-Stallmeister dem Ober-Küchenmeister, dieser erzählt es dem Zeremonienmeister des Harems, der dem Ober-Eunuchen, und der Ober-Eunuch sagt es dem kleinen jungen Lieblingssklaven des Sultans, der ihm die Fliegen vom Gesicht fächert, und der wird vor dem Sultan niederknieen und es ihm zuflüstern, – und das Spiel ist gewonnen.«

Ali war aufgesprungen.

»Das ist die größte Idee, die je ein Weiser hatte. Wie kamst du nur darauf?«

»Setze dich hier neben mich, und höre mir zu; ich will dir ein Körnlein Weisheit schenken, behalte es solange du lebst. Nun denn, wer ist dein bester Freund, dem du nie im Leben etwas abschlagen möchtest und könntest?«

»Der bist du, Achmet, das weißt du.«

»Angenommen, du hättest eine ziemlich große Gefälligkeit von dem Katzenfleisch-Händler zu erbitten. Nun kennst du ihn aber nicht, und er würde dir die Pest wünschen, wenn du ihn bitten wolltest, denn er ist nun mal so ein Kauz. Aber er ist mein bester Freund nach dir, und würde sich die Beine ablaufen, um mir einen Gefallen zu erweisen, – jeden Gefallen, ganz einerlei welchen. Jetzt frage ich dich: Was ist vernünftiger – wenn du zu ihm gehst und ihn bittest, er solle dem Krapfenmann von deiner Melonenkur erzählen, oder wenn du zu mir kommst, damit ich ihn für dich bitte?«

»Natürlich wenn ich zu dir gehe, damit du es für mich tust. Ich hätte wirklich nie daran gedacht, Achmet; es ist großartig!«

»Es ist eine Lebensweisheit. Sie beruht darauf: Jedermann auf dieser Welt, groß oder klein, mächtig oder nicht, hat einen speziellen Freund, einen Freund, dem er mit Vergnügen behilflich ist – nicht mit Widerwillen, sondern mit Vergnügen – mit Vergnügen bis ins Innerste. Und so, ganz einerlei von wo du ausgehst, kannst du bei jedem Gehör finden, stehe er noch so hoch und du noch so niedrig. Es ist ja so einfach: Du brauchst nur den ersten Freund zu finden, das ist alles; damit ist dein Teil an der Arbeit schon geleistet. Er findet dann den nächsten Freund schon von selbst, und dieser findet den dritten, und so fort, Freund nach Freund, Glied nach Glied, wie bei einer Kette; diese führt dich hinauf oder hinunter, so hoch wie du willst oder so tief wie du willst.«