Der Junge stand allein und ohne Freunde auf der Welt da. Er wußte nicht, was er anfangen sollte, aber es schien ihm das beste, wenn er versuchte, seinen Onkel wiederzufinden. Er ging zum Dampfschiff-Landeplatz und erfuhr, daß das bißchen Geld, das er in der Tasche hatte, für die Fahrt nach Boston nicht ausreichte, daß er dafür aber nach New London kommen könnte. Er fuhr also nach diesem Hafen, indem er darauf hoffte, daß die Vorsehung ihn die Mittel würde finden lassen, um den Rest der Reise zurückzulegen. Jetzt war er drei Tage und Nächte lang in den Straßen von New London herumgelaufen und hatte hier und da um der Barmherzigkeit willen einen Bissen bekommen oder ein Eckchen zum Schlafen angewiesen erhalten. Aber jetzt konnte er nicht mehr, Mut und Hoffnung waren entschwunden. Wenn er als Rekrut eintreten könnte, so würde er überaus dankbar sein; wenn er nicht Soldat werden könnte, wäre er dann nicht als Trommlerjunge zu brauchen? O, er würde so fleißig sein und so dankbar!

So lautete mit Weglassung einiger Kleinigkeiten die Geschichte des jungen Wicklow, genau wie er sie mir erzählte. Ich sagte:

»Junge, du bist jetzt unter Freunden – mach’ dir keine Sorgen mehr.« Wie glänzten da seine Augen! Ich rief den Sergeanten John Rayburn herein – er war aus Hartford und wohnt jetzt dort; vielleicht kennen Sie ihn – und sagte: »Rayburn, geben Sie dem Jungen hier Quartier bei den Musikern. Ich werde ihn als Trommlerjungen einstellen, und es ist mir lieb, wenn Sie ein Auge auf ihn haben und darauf sehen, daß er gut behandelt wird.«

Der Verkehr zwischen dem Festungskommandanten und dem Trommlerjungen hörte jetzt natürlich auf, aber die Gedanken an den freundlosen armen kleinen Burschen lagen mir trotzdem schwer auf der Seele. Ich behielt ihn im Auge, in der Hoffnung, er würde sich aufheitern und fröhlich und lustig werden. Aber nein! Ein Tag verging nach dem anderen, und er blieb wie er war. Er verkehrte mit keinem Menschen, war immer geistesabwesend und in Gedanken versunken, und sein Gesicht war immer traurig … Eines Morgens bat Rayburn mich um eine vertrauliche Unterredung.

»Ich hoffe, Sie nehmen’s nicht übel, Herr Major,« sagte er. »Aber die Sache steht so: die Musiker sind so außer sich, daß ja wohl einer sprechen muß.«

»Na, was ist denn los?«

»’s ist wegen des Jungen, des Wicklow, Herr Major. Die Musiker haben eine Wut auf ihn – Sie können sich’s gar nicht denken.«

»Nu, nu! Warum nicht gar. Was hat er denn angestellt?«

»Betet, Herr Major!«

»Er betet?«