Folge heute Gott –

Stoß’ nicht fort die Vaterhand,

Die vom fernen Himmelsland …

und wie’s weiter geht. Man kommt sich dabei vor, wie der verruchteste, undankbarste Kerl, der auf der Erde ’rumläuft. Und wenn er dann die Lieder singt vom Elternhause, und von der Mutter und den Kindertagen und den alten Erinnerungen, und von längst entschwundenen Dingen und von alten Freunden, die tot oder fern sind – ach, das bringt einem alles vors Auge, was man je in seinem ganzen Leben geliebt und verloren hat – und ’s ist so wunderschön, ja, ’s ist göttlich, wenn man’s anhört, Sir – aber, ach du lieber gütiger Herrgott, wie herzbrechend ist’s auch! Die Kapelle – jawohl, alle heulen sie! Der größte Lump unter ihnen schluchzt dabei – und gibt sich nicht ’mal Mühe, es zu verbergen. Und dieselben Kerls, die vorher ihre Stiefel nach ihm geschmissen hatten – auf einmal springen sie alle von den Pritschen und laufen in der Finsternis zu ihm hin und herzen ihn und schlecken ihn ab – jawohl, das tun sie – und geben ihm Schmeichelworte und bitten ihn, er möge ihnen verzeihen. Und wenn in dem Augenblick ein Regiment käme, um dem Bürschchen ein Haar zu krümmen – wahrhaftig sie gingen gegen das Regiment, und wenn’s ein ganzes Armeekorps wäre!«

Wieder eine Pause. Dann fragte ich:

»Ist das alles?«

»Jawohl, Herr Major.«

»Nun, du lieber Gott, was gibt’s denn da zu klagen? Was wollen denn die Leute?«

»Was sie wollen!? Aber ich bitte Sie, Herr Major – sie möchten, daß Sie ihm das Singen verbieten.«

»Was für ein Einfall! Sie sagten ja selber, sein Gesang sei überirdisch schön.«