Nun erschien Sergeant Rayburn. Er zog aus der Tasche ein etwa fußlanges Stück Bindfaden mit drei Knoten und hielt es in die Höhe.
»Ich fand es in einer Kanone an der Wasserseite,« sagte er. »Ich nahm die Mündungsdeckel von allen Geschützen ab und sah ganz genau nach; diese Schnur war das einzige, was in irgend einer Kanone war.«
Dies Endchen Bindfaden war also Wicklows Zeichen, wodurch er kundgab, daß des ›Meisters‹ Befehle nicht in falsche Hände gekommen waren. Ich befahl, jeden Mann, der während der letzten vierundzwanzig Stunden in der Nähe jenes Geschützes Schildwache gestanden war, sofort in Einzelgewahrsam zu setzen und mit keinem Menschen ohne meine ganz besondere Erlaubnis verkehren zu lassen.
Vom Staatssekretär des Kriegsdepartements kam ein Telegramm, welches folgendermaßen lautete:
Suspendieret Habeascorpus-Akte. Erkläret die Stadt in Belagerungszustand. Veranlaßt die notwendigen Verhaftungen. Handelt energisch und schnell. Haltet das Kriegsdepartement auf dem Laufenden.
Jetzt waren wir soweit, daß wir ans Werk gehen konnten. Ich schickte Leute aus, die ohne Aufsehen zu erregen den lahmen Herrn verhafteten und ihn ebenso unauffällig ins Fort brachten; ich gab ihm eine Schildwache und verbot, mit dem Mann zu sprechen oder ihn anzuhören. Anfangs hatte er Lust großen Lärm zu machen, aber das ließ er bald. Dann kam eine Meldung, es sei beobachtet worden, wie Wicklow zweien von unseren neuen Rekruten etwas zugesteckt habe; die Leute seien, so wie er den Rücken gedreht, festgenommen und in Haft gebracht worden. Bei jedem von ihnen fand man einen kleinen Papierzettel, worauf mit Bleistift geschrieben stand:
Adlers Dritter Flug.
Gedenke XXXX.
166.
Meinen Weisungen gemäß telegraphierte ich dem Departement in Chiffren, welche neuen Entdeckungen wir gemacht und beschrieb zugleich die neu gefundenen Zettel. Unsere Stellung schien jetzt stark genug zu sein, um Wicklow gegenüber die Maske fallen lassen zu können; ich ließ ihn also holen. Ferner ließ ich den mit sympathetischer Tinte geschriebenen Brief wieder einfordern; der Regimentsarzt sandte ihn zurück mit der Bemerkung, daß seine Bemühungen bisher vergeblich gewesen seien, es gebe aber noch andere Verfahren, die er anwenden könne, falls ich es wünschen sollte.
Wicklow trat ein. Es lag etwas Müdes und Erwartungsvolles in seinem Blick, aber er war gefaßt und unbefangen, und wenn er irgend einen Verdacht hegte, so trat dieser jedenfalls in seinen Gesichtszügen und in seinem Benehmen nicht zu Tage. Ich ließ ihn ein paar Augenblicke stehen; dann sagte ich freundlich:
»Na, mein Junge, warum gehst du denn so oft nach dem alten Stall?«