Ein Streichholz flammte auf. Ich sah mir meinen Gefangenen an und – Himmeldonnerwetter! es war ein junges Frauenzimmer.

Ich ließ sie los und sprang vom Bett herunter. Ich kam mir ziemlich dämlich vor. Jeder von uns sah verdutzt seinen Nachbar an. Es war, als hätten wir alle die Vernunft verloren, so plötzlich und überwältigend wirkte die Ueberraschung. Das junge Frauenzimmer begann zu schreien und bedeckte sich das Gesicht mit dem Bettlaken. Der Wirt sagte in demütigem Ton:

»Meine Tochter hat wohl was getan, das nicht recht ist, nicht wahr?«

»Ihre Tochter? Ist das Ihre Tochter?«

»O ja, das ist meine Tochter. Die ist gerade heute abend von Cincinnati ein klein bißchen krank nach Hause gekommen.«

»Verflucht nochmal, der Bengel hat also wieder gelogen! Das ist nicht die richtige Nr. 166, das ist nicht B. B. Höre, Wicklow, jetzt wirst du uns die richtige Nr. 166 finden, sonst – hallo! wo ist denn der Junge?«

Fort war er – das war bombensicher. Und noch mehr, es gelang uns nicht, eine Spur von ihm zu finden. Das war eine eklige Klemme! Ich verwünschte meine Dummheit, daß ich ihn nicht an einen von den Leuten angebunden hatte; aber es hatte ja keinen Zweck, jetzt darüber zu fluchen. Was sollte ich unter den obwaltenden Umständen tun? – Das war die Frage. Das Mädchen konnte immerhin doch B. B. sein. Ich glaubte das allerdings nicht, aber es wäre ja nicht angängig gewesen, Zweifel für Gewißheit anzunehmen. Schließlich ließ ich meine Leute ein leeres Zimmer auf der anderen Seite des Flurs gegenüber von Nr. 166 beziehen und befahl ihnen, jeden, der sich des Mädchens Zimmer nähere, ohne Unterschied zu verhaften; den Wirt hatten sie bis auf weiteren Befehl unter strenger Bewachung zu halten. Dann eilte ich nach dem Fort zurück, um zu sehen, ob dort alles in Ordnung sei.

Ja, da war alles in Ordnung. Und alles blieb in Ordnung. Ich blieb die ganze Nacht auf, um sicher zu gehen. Es passierte nichts. Ich war unbeschreiblich froh, als ich den Morgen dämmern sah und an das Kriegsdepartement telegraphieren konnte, daß die Sterne und Streifen noch immer über Fort Trumbull wehten.

Ein ungeheurer Druck war mir vom Herzen genommen. Trotzdem ließ ich natürlich in meiner Wachsamkeit und Tätigkeit nicht nach; dazu lag der Fall zu ernst. Ich ließ die Verhafteten einen nach dem anderen vorführen und machte ihnen ganz gehörig die Hölle heiß, um sie zum Gestehen zu bringen – aber das nützte mir nichts. Sie knirschten bloß mit den Zähnen und rauften sich die Haare aus, aber sie verrieten nichts.

Gegen Mittag kamen Nachrichten über meinen verschwundenen Jungen. Man hatte ihn um sechs Uhr früh etwa acht Meilen von der Stadt auf der Landstraße gesehen. Er wanderte westwärts. Sofort schickte ich einen Kavallerieleutnant mit einem Gemeinen auf seine Spur. Zwanzig Meilen von der Stadt bekamen sie ihn zu Gesicht. Er war über einen Zaun geklettert und schleppte sich ermattet quer über eine morastige Wiese auf ein großes altmodisches Haus zu, das am Ende eines Dorfes lag. Sie ritten durch ein kleines Gehölz hindurch, machten einen Umweg und näherten sich dem Hause von der entgegengesetzten Seite. Dann stiegen sie ab und liefen schnell in die Küche. Da war niemand. Sie schlüpften in das nächste Zimmer, das ebenfalls leer war; die Tür nach dem Vorder- oder Wohnzimmer stand offen. Sie wollten gerade hineingehen, als sie eine leise Stimme hörten: irgend jemand sagte ein Gebet. Sie blieben daher ehrfurchtsvoll stehen, und der Leutnant streckte seinen Kopf vor und sah einen alten Mann und eine alte Frau, die in einer Ecke des Wohnzimmers auf den Knieen lagen. Der Betende war der alte Mann, und gerade als er mit seinem Gebet zu Ende war, machte Jung-Wicklow die Vordertür auf und trat ein. Die beiden alten Leute sprangen auf ihn zu und umarmten ihn voll Zärtlichkeit und riefen: