Nur das eine wird man bis zu gewissem Grade gelten lassen: es fallen mehr die Raubfische im weitesten Sinne, wie Aale, die dem Fischlaich nachstellen, Hechte und Barsche, die den Jungfischen verderblich werden, und minderwertige Weißfische den Reihern zur Beute, weil sich die genannten mehr an jenen Örtlichkeiten aufhalten, wo die Vögel mit Erfolg zu fischen vermögen, während andere, z. B. Karpfen und Schleien, die Tiefen vorziehen und die Nähe der Ufer gewöhnlich meiden. Auch die Forelle, die sich mit Vorliebe an steilen Ufern aufhält und unter Steinen und Wurzeln gern Deckung sucht oder in starker Strömung auf dem Anstand steht, ist dadurch vor den Reihern einigermaßen gesichert. Wo aber künstliche Fischzucht getrieben wird, wo ein nach vielen Tausenden zählendes Kapital sich verzinsen muß, da kann man den regelmäßigen Besuch der Reiher unter keinen Umständen dulden.

Wie bei so vielen Fragen, muß auch hier immer von Fall zu Fall entschieden werden. Es gibt sicher unzählige Gewässer im Deutschen Reich, wo man nicht sofort jeden Fischreiher zu fangen oder niederzuknallen braucht, wenn sich mal einer zeigt, und ich kenne manchen Fischereiberechtigten, der gern eine kleine Einbuße erleidet, weil auch er an dem herrlichen Vogel, der die Landschaft belebt, seine Freude hat. Es gibt aber auch genug Besitzer oder Pächter, die selbst mit geringen Summen rechnen müssen. Könnte hier nicht – natürlich nur von Fall zu Fall – der Staat eintreten und den Schaden ersetzen, oder sollten sich bei der großen Naturschutzbewegung unsrer Tage nicht einige begeisterte Vogelfreunde finden, die bereit wären, ein Scherflein zu opfern, um ein paar Reiher, vielleicht die einzigen in einer weiten Landschaft, zu retten? Unwirtschaftlich, so wird man diesen Vorschlag nennen. Mag sein – aber ich frage: Läßt sich der Nutzen und Schaden eines Tieres immer nur berechnen nach Geld und Geldeswert?

Soviel steht fest: durch die maßlose Verfolgung ist der schöne Vogel für viele Gegenden unseres Vaterlandes dem Aussterben nahegebracht. Mag man ihn dort, wo er noch in größerer Zahl auftritt und empfindlichen Schaden anrichtet, auch weiter kurz halten, ein paar Reiherhorste sollte man doch zu erhalten suchen, auch ein paar größere Kolonien unter staatlichen Schutz stellen.


Zu der Familie der Reiher gehört auch die große Rohrdommel. Sie ist selbst in unserer sächsischen Lausitz, wo ich ihrem unheimlichen nächtlichen Liebeslied oft und oft gelauscht habe, recht selten geworden. Zum Glück führt sie ein verstecktes Leben, sonst wäre wohl auch der letzte dieser interessanten Vögel schon längst verschwunden; denn der Fischer ist auch auf die große Rohrdommel schlecht zu sprechen. Gewiß, ihre Hauptnahrung mag in Fischen und Fischbrut bestehen, wenn sie daneben auch viele schädliche Insekten frißt; aber sie ist im Gegensatz zum Fischreiher ein ungesellig lebender Vogel, der schon aus diesem Grunde nicht allzuviel Schaden anrichten wird. Dazu kommt, daß die eigentlichen Brutteiche von der Rohrdommel gemieden werden, weil dort gewöhnlich nicht so viel Rohr und Schilf wächst, daß sich der scheue Vogel gut verstecken kann. Wo die große Rohrdommel so selten ist, wie in unserer Lausitz, da sollte man sie schonen und ihr den kleinen Tribut an Fischen gönnen. Namentlich möchte ich alle Jäger bitten, den seltenen Vogel, wenn er gelegentlich der Entenjagd sein Versteck verläßt, nicht abzuschießen. Es wäre doch schön, wenn er unsrer Heimat erhalten werden könnte! Die seltene kleine Rohrdommel, ein allerliebstes Zwergreiherchen, das behend im Rohrwald auf- und abklettert, wird noch viel weniger schädlich sein; solch kleiner Magen bedarf nicht viel. Die andern Reiher aber, Nacht- und Purpurreiher, sind so seltene Gäste unsrer Gewässer, daß es die Pflicht jedes Jagdberechtigten sein muß, das Gastrecht diesen Fremdlingen gegenüber zu wahren.

Außer den genannten mögen auch wilde Enten, Gänse und Schwäne, dazu an der Meeresküste der mächtige Seeadler manchen Schaden anrichten, besonders wenn man bedenkt, daß doch neben den Fischen selbst auch deren Laich für viele an und auf den Gewässern lebende Vögel einen Leckerbissen bildet. Schließlich ist vielleicht kein einziger Sumpf- und Wasservogel ganz freizusprechen. Wollte man sie alle ihre gelegentlichen Übergriffe büßen lassen, so wäre es bald vorbei mit dem reichen Leben, das die meisten Teiche und Seen noch immer beherbergen.

Nur einen Fischereischädling aus der Klasse der Kriechtiere wollen wir noch erwähnen, die Ringelnatter. Sie ist bekanntlich eine vorzügliche Schwimmerin. Ein wahres Vergnügen, ihr zuzusehen, wie der schlanke, geschmeidige Schlangenleib in auserlesen schönen Windungen an der Oberfläche des Wassers dahingleitet, den breiten Teich durchquerend oder die Strömung des Flusses überwindend. Selbst weit hinaus ins Meer schwimmt sie, habe ich doch einmal eine Ringelnatter im Barther Bodden, wohl 5 km weit vom Land, vom Fischerboot aus beobachtet und gefangen; ein fingerlanges Fischchen erbrach sie vor Schreck. An und in unsern Fischteichen in der Lausitz gibt's Ringelnattern genug, und ich verstehe es, daß die Fischereiberechtigten ihnen recht feind sind, wenn es sich auch nur um kleine Flossenträger handelt, denen die Nattern nachstellen. Im übrigen aber sind diese Schlangen ganz unschuldige Geschöpfe, die man an jedem Gewässer, das nicht gerade der Fischwirtschaft dient, ruhig gewähren lassen sollte.

Wenn jeder, den es angeht, erkennen wollte, daß die allgemeinen Interessen höher stehen als die besonderen des einzelnen, dann würde uns die Sorge um den Fortbestand der sogenannten »Fischräuber« von der Seele genommen.