In c. 31,4 endlich kann sich der Eingang: כי כה אמר יהוה אלי zur Not als Fortsetzung an v. 3 anschliessen. Wahrscheinlich ist dies indessen nicht. Denn einmal hat das Stück v. 1–3 in den Worten:

וכשל עוזר ונפל עזר

einen gewaltigen und völlig genügenden Abschluss erreicht; und zweitens passt der Inhalt von v. 4 nicht genau zu 1–3. Denn v. 1–3 stellen Ägypten in den Vordergrund, während v. 4 von der Belagerung Jerusalems handelt. Ist aber v. 4 von v. 1–3 zu trennen, dann verlangen die Worte: כי כה אמר יהוה אלי eine Ergänzung, die jetzt ausgefallen ist. Die Annahme wird dadurch noch wahrscheinlicher, dass das letzte Sätzchen in v. 3 mit seinem יחדו und יכליון jedenfalls mit Duhm für einen vom Sammler hinzugesetzten Abschluss zu halten ist.

Die besprochenen Eingänge in c. 28,7. 28,14. 29,13. 30,8. und 31,4 machen also wahrscheinlich, dass den durch sie eingeleiteten Stücken andere, und zwar zum Teil sicher in geschichtlicher Form, einst vorangegangen sind. Dasselbe ist natürlich auch bei den übrigen, nicht besprochenen Stücken, nicht ausgeschlossen; es finden sich in denselben nur keine Anzeichen mehr vor, die noch mit einiger Deutlichkeit darauf hinweisen.

Diese Untersuchungen bestätigen die Vermutung Hackmanns, dass unsere Stücke ursprünglich in geschichtlicher Umrahmung gestanden haben. Die inneren Gründe, die er als Stützen seiner Vermutung anführt, lassen sich freilich nicht so beweisen, dienen aber dem geführten Beweise zur Bestätigung. Denn dass wirklich manche Einzelheiten in unseren Stücken wie eine Bezugnahme auf eine nebenhergehende Erzählung erscheinen, wird jeder zugeben, der die Stücke mit Aufmerksamkeit liest. Ueber c. 28,15 ist vorhin schon die Rede gewesen. Aehnliches wird man von den auch inhaltlich ähnlichen Versen c. 30,15 f. sagen dürfen. Doch c. 30,6 kann nicht mit angeführt werden, da v. 6 f. nicht Rede, sondern Erzählung enthalten. Ebenso ist es mit c. 28,9 f., das nach Hackmann eine Unterbrechung der Rede Jesaias durch Einwürfe der Trunkenen voraussetzt. Denn die v. 9 f. vorausgehenden Verse 6 und 7 sind nicht Bestandteile einer Rede Jesaias, sondern bilden die geschichtliche Einleitung zu der v. 9 ff. dargestellten Szene.

Doch wir bedürfen auch keiner weiteren Beweise mehr für die Richtigkeit der aufgestellten Hypothese, dass die zusammengehörigen jesajanischen Stücke unseres Buches ursprünglich einem grösseren geschichtlichen Zusammenhange angehört haben. Wir haben folgende Thatsachen festgestellt:

1. Den in Betracht kommenden jesajanischen Stücken liegt eine streng chronologisch-sachliche Ordnung zu Grunde.

2. Dieselben enthalten nur zum Teil die Wiedergabe von Reden des Propheten; zum Teil enthalten sie auch erzählende Darstellungen von Reden und Ereignissen.

3. Die Eingänge mehrerer Stücke nehmen deutlich auf einst vorhergegangene geschichtliche Darstellungen Bezug.

Diese Thatsachen finden ihre Erklärung nur durch die Annahme, dass unsere Stücke einst in einer grösseren geschichtlichen Umrahmung gestanden haben.