c. 20 gehört seiner Überschrift und seinem Inhalte nach ins Jahr 711. Es ist aber seiner Herkunft nach nicht ganz unverdächtig. Möglich wäre es, „dass es ähnlichen Ursprung hätte wie c. 36–39, und zu Gunsten dieser Annahme könnte man auf den in mehrfacher Beziehung verdächtigen v. 2 hinweisen (Duhm).“

c. 22 fällt in die Zeit nach 701. Es ist bezüglich seiner Einheitlichkeit und Darstellungsform durchaus nicht allgemein anerkannt; da ich es aber für eine geschichtliche Darstellung halte; so sollte es wenigstens nicht unerwähnt bleiben[18].

Diese im Vorhergehenden besprochenen geschichtlichen Darstellungen bilden nun nicht etwa den kleinsten, sondern vielmehr den weitaus grössten Teil dessen, was der Prophet Jesaia gegen Juda und Jerusalem überhaupt geschrieben hat. Denn ausser den besprochenen Abschnitten sind nur noch das kurze Stück c. 32,9–14 und die in c. 1–5 enthaltenen Drohreden gegen Juda und Jerusalem dem Jesaia zuzuschreiben[19].

Eine vollgültige Bestätigung dieses statistischen Befundes können wir nun noch aus des Jesaia eigenen Worten entnehmen, nämlich aus den beiden Versen c. 30,8 und c. 8,16.

In c. 30,8 heisst es: Jetzt geh hinein und schreib es nieder! Also, nachdem Jesaia lange vergeblich durch öffentliche Rede unter dem Volke gewirkt hatte, erhielt er den göttlichen Auftrag, sich vom Schauplatz der öffentlichen Thätigkeit zurückzuziehen und seine Drohungen niederzuschreiben לעֵד עד עולם. Dieser Auftrag Jahwes an Jesaia enthält doch offenbar für unsere Frage ein Doppeltes:

1. dass Jesaia bis dahin seine Reden nicht aufgeschrieben hat, dass also die gewöhnliche Annahme, dass er gewissermassen ein Tagebuch über seine Reden geführt habe, gegenüber den eigenen Worten Jesaias nicht stichhaltig ist;

2. dass es für Jesaia eines besonderen Auftrages Jahwes oder eines besonderen Zweckes bedurfte, seine Weissagungen niederzuschreiben.

Der Zweck ist auch in c. 8,16 besonders hervorgehoben:

צור תעודה חתום תורה בלמדי