II.

Wir haben es also jetzt mit der Arbeit einer späteren Zeit zu thun. Es liegt in dem ganzen Charakter derselben begründet, dass wir mit ihren Erzeugnissen mehr auf das Gebiet der Vermutungen als der sicheren Ergebnisse gestellt sind. Denn dieselben haben es meist nicht mit der Gegenwart, sondern mit der Zukunft, und zwar alle mit derselben Zukunft, nämlich mit „jenem Tage“, zu thun. Sie sind daher meist zu wenig zeitgeschichtlich bestimmt, als dass man für die Frage nach ihrer Herkunft unumstösslich festen Boden gewinnen könnte.

Das gilt auch von den nichtjesajanischen Stücken unseres Buches. Es wäre vergebliche Mühe, wenn man aus den einzelnen Stücken Schlüsse auf Verfasser und Herkunft ziehen wollte. Ebenso würde es zu nichts führen, wenn man, wie wir es bei den jesajanischen Stücken unseres Buches gethan haben, die Frage aufwerfen wollte, ob die einzelnen Stücke resp. welche unter einander in Zusammenhang stehen. Sie behandeln alle das eine Thema: die goldene Zukunft, und dieses würde sie unter einander ebenso sehr und ebenso wenig verbinden, wie sie selbst in sich dadurch verbunden sind. Ob man z. B. c. 29,16–24 mit c. 30,18–26 zu einem Stück vereint oder jedes der beiden in zwei oder mehr Stücke teilt, macht für ihren Inhalt und Gedankengang nichts aus.

Um daher für die nichtjesajanischen Stücke unseres Buches bezüglich ihrer Herkunft und Zeitansetzung zu einem einigermassen sicheren Ergebnisse zu gelangen, müssen wir einen anderen Weg der Untersuchung einschlagen.

Wir werden zunächst das Verhältnis dieser Stücke zu den jesajanischen Partieen ins Auge fassen. Es wird festzustellen sein, welche unter ihnen sich als unmittelbare und beabsichtigte Fortsetzungen jesajanischer Partieen geben, und welche etwa selbstständig daneben stehen.

Sodann haben wir zu untersuchen, ob sie unter einander auf denselben oder mehrere Verfasser schliessen lassen. Dann erst können wir nach Anzeichen einer genaueren Zeitbestimmung fragen.

Endlich wird dann aus den gewonnenen Resultaten eine Uebersicht über Zweck, Art und Zeit der Zusammenstellung unseres Buches zu geben sein.

Es wird sich zeigen, dass wir auf diesem Wege zu einem annähernd sicheren Resultate über die Entstehungsgeschichte unseres Buches werden gelangen können.

Das erste Stück, mit welchem wir es zu thun haben, ist c. 28,5 f. Dieses ist ganz deutlich zum Zwecke der Fortsetzung von v. 1–4 komponiert. Das zeigt erstens die Anknüpfung an das Vorhergehende durch die Worte: ביום ההוא und zweitens die Wahl der Bilder und Ausdrücke, die aus dem Vorhergehenden genommen sind. Die Bilder, die Jesaia vorher von Samaria und dessen trunkenen Grossen gebraucht hat, werden hier in geschmackloser Nachahmung auf Jahwe angewendet vgl. v. 5 mit v. 1 und 3.