Die Ergebnisse meiner Untersuchungen stimmen meist mit denen Hackmanns überein und sind nur eingehender begründet worden, als es für Hackmann im Rahmen seiner Schrift möglich war.

Zu bedeutenderen Abweichungen in der Analyse bin ich nur in betreff der beiden Stücke c. 28,23–29 und c. 32,15–20 gekommen. Die Begründung meiner Stellungnahme zu beiden Stücken soll deshalb der vorliegenden Schrift in einem Anhange beigefügt werden.[4]

Es ist nun die Aufgabe der vorliegenden Abhandlung, nachzuweisen, wie es gekommen ist, dass die verschiedenen Bestandteile des Buches Jes. c. 28–33 zu dem vorliegenden Buche zusammengeschmolzen sind. Wir haben also die Entstehungsgeschichte des Buches zu rekonstruieren.

Diese positive Arbeit der Kritik ist ebensosehr wünschenswert wie notwendig.

Sie ist wünschenswert zur eigenen Rechtfertigung der kritischen Arbeit. Denn es würde sich ja sonst die Frage erheben, wie es möglich sei, dass ein Buch aus so disparaten Bestandteilen entstanden und zu einem Ganzen zusammengewachsen sei. Stellt es sich aber heraus, dass sich für die Beantwortung dieser Frage wissenschaftlich wohl zu begründende Hypothesen aufstellen lassen, so erhält dadurch die Richtigkeit der im ersten Teile gewonnenen Resultate eine neue und starke Stütze. Denn bisher sind alle Versuche gescheitert, die Komposition unseres Buches oder einzelner Kapitel desselben, namentlich des c. 28, bei Annahme jesajanischer Autorschaft zu erklären.

Wünschenswert ist die Beantwortung der Frage nach der Entstehungsgeschichte unseres Buches auch aus sachlichen Gründen. Einmal wird erst dadurch Zweck und Anlage des Buches klar, wenn man weiss, wie es entstanden ist, und sodann wirft die Erkenntnis der Entstehung des Buches auch ein Licht auf die Verfasser und ihre ganze Zeit.

Diese sachlichen Rücksichten machen die Arbeit aber auch notwendig. Die Aufgabe der Kritik erschöpft sich keineswegs damit, dass vorhandene Anschauungen zerstört oder als irrig nachgewiesen werden, sondern es ist vielmehr das Ziel und der eigentliche Zweck derselben, an Stelle der alten Anschauungen neue, der Wahrheit entsprechendere zu setzen.

Wenden wir uns nun der Lösung dieser Aufgabe an unserem Buche selbst zu, so ergeben sich aus dem im ersten Teile unserer Untersuchung festgestellten Charakter des Buches ganz von selbst zwei Teile zur Behandlung des vorhandenen Materials:

  1. Die jesajanischen Bestandteile des Buches.
  2. 2. Die nichtjesajanischen Stücke desselben.