Ich glaube, es war Sokrates, der sagte: „Ob ihr heiratet oder nicht heiratet, ihr werdet es bereuen.“ Die Leute, die behaupten, daß die Ehe ein Mißgriff ist, scheinen aus den Augen zu verlieren, daß diese Form des Geschlechts­lebens nicht des Glückes halber eingerichtet wurde, sondern um die Bedürfnisse der Gesell­schaft zu befriedigen, und solange diese Bedürfnisse durch die Ehe befriedigt werden, muß die Institution als erfolgreich betrachtet werden, wie unglücklich auch viele Verheiratete sein mögen.

Wenn die Gründe, „warum Mann und Frau auseinander­geraten“ erschöpfend behandelt werden sollten, dann würde dieser Gegenstand einige hundert riesenhafte Bände füllen, ich glaube, eine ganze Bibliothek könnte mit Büchern über dieses Kapitel gefüllt werden. Seit Adam und Eva eine Auseinander­setzung über ihr Dessert hatten, haben Männer und Frauen immer gestritten und der demütige Philosoph, der sagte, daß „gewisse Leute so erbittert und regelmäßig stritten wie Mann und Frau,“ beschrieb nur einen Zustand, den die Gewohnheit ihm vertraut gemacht hatte.

Wie überhaupt im Leben, kommt es auch in der Ehe auf die kleinen Dinge an, und das gebrechliche Schiff ehelichen Glücks scheitert hauptsächlich an den unbedeutenden, kaum sichtbaren Felsen, an der kleinlichen Eifersucht, dem unscheinbaren Ableugnen, den kleinen Aufregungen, den kleinen Launen, den kleinen beißenden Worten, die nach und nach so viele kleine Löcher in die Steuerung bohren, daß zum Schluß ein nicht mehr gut zu machendes Leck entstanden ist, und das Schiff beim nächsten Sturm scheitert. Die großen Hindernisse verursachen einen größeren Krach, wenn man auf sie stößt, aber man kann sie von weitem sehen und glücklich an ihnen vorbeikommen.

Ein unglücklicher Ehemann, bei dem es gerade zur Trennung kommen sollte, (obzwar er zu jenen gehört, die aus „wahnsinniger Liebe“ geheiratet hatten) vertraute mir einst an, daß die erbittertsten und fürchter­lichsten Streitigkeiten zwischen ihm und seiner Frau immer wegen einer äußerst kleinlichen Ursache begonnen hatten, gewöhnlich, weil er ihre Kleider nicht bewunderte! Kann etwas kläglicher und abgeschmackter sein! „Warum“, fragte ich ihn, „wenn es Ihnen so darum zu tun ist, den Frieden aufrecht zu erhalten, wagen Sie denn irgend eine Kritik an den Kleidern?“ „Oh, ich gebe ja nie eine ab,“ war die Antwort. „Sie fragt mich um mein Urteil über ein neues Kleid, zum Beispiel, und wird böse, wenn es abfällig ist. Dann werde ich natürlich auch böse, ich bin ja kein Heiliger, und gleich kommt es zu Beschimpfungen und Worten, die wie Hiebe sitzen. Dann drücke ich mich für ein paar Tage, und dann ist natürlich der Teufel los, wenn ich wieder heimkomme, und es beginnt von neuem. Sehen Sie, der jetzige Streit hat ungefähr fünf Wochen gedauert, und im Anfang war es einfach nur deshalb, weil ich sagte, die Straußfeder auf ihrem Hute gefalle mir nicht!“

Noch ein Beispiel. Ich traf einst bei einem Rennen eine Schulfreundin, die ich seit langem aus den Augen verloren hatte, das letztemal als liebende und geliebte jung verheiratete Frau sah. Jetzt war sie sehr verändert und hatte harte und hagere Züge. Ich fragte nach dem Mann, der mir als strahlender Bräutigam in Erinnerung war.

„Oh, er ist den Weg aller Gatten gegangen,“ sagte sie mit einem Seufzer. „Er ist Lebemann geworden, meine Liebe.“

„Was Sie nicht sagen!“ rief ich erschrocken und bekümmert.

„Ja, er hat sich zum Lebemann herausgebildet und das hat unsere Liebe zugrunde gerichtet,“ war die zynische Antwort.

Es war allerdings so. Treue und Magenverstimmungen vertragen sich schlecht miteinander, und der Gatte meiner Freundin hatte sich eine gefährliche Fertigkeit angeeignet, sein Mittagessen ins Feuer zu werfen, wenn es ihm nicht schmeckte, eine allerdings das häusliche Glück nicht fördernde Gewohnheit.

Die Kost ist wirklich eine der Hauptquellen von Reibungen in der Ehe. Es klingt possenhaft, aber ich meine es ganz im Ernst. Die Kost, ihre Anordnung und Zubereitung und die daraus erwachsenden Kosten bedeuten eine der größten Tragödien im Dasein einer Frau. Die Zeit, die alles heilt, stumpft Gott sei Dank auch die Heftigkeit dieser Pein ab, und Matronen von ungefähr fünfzig Jahren sind imstande, der täglichen Bürde der Abfassung des Speisezettels mit einer gewissen Gleichgültigkeit entgegenzutreten. Aber für eine Frau, welche das kritische Alter noch nicht erreicht hat, das man charakter­istischerweise mit der Bemerkung: „hm, gerade so alt wie alle andern, nämlich fünfunddreißig“ bezeichnet, ist dieser Faktor das größte Kreuz, während so mancher Braut die erste Zeit der jungen Ehe durch die schreckliche und stets wieder neu erstehende Notwendigkeit, die richtige Kost für ihren Lebensgefährten zu finden, total verdorben wurde. Die Männer machen sich lustig über die Frauen, weil ihr Lunch, wenn sie allein sind, oft aus einer Schale Tee und einem Ei besteht, aber die Frauen haben einen so angeborenen Haß gegen das Anschaffen, den sie wohl von einer langen Linie leidender weiblicher Vorfahren ererbt haben müssen, daß die meisten von ihnen lieber ganz vergnügt bis zum Ende ihrer Tage von Tee und Butterbrot leben möchten, als täglich der Notwendigkeit ins Auge zu sehen, über einen Speisezettel nachzudenken. Aus diesem Grunde glaube ich, daß vegetarianische Gatten besonders begehrenswert sind, da das Grundprinzip der Ernährungsreform die Einfachheit ist. Jene, welche darauf eingehen, erwerben eine ganz neue Anschauung von der Bedeutung der Ernährung und sind rührend leicht zufrieden zu stellen. Ich kenne eine Frau, deren Mann Vegetarier ist, und sie erklärte, daß die Ernährungsfrage, die einen so zerstörenden Faktor in den meisten Häusern bildet, ihr nie auch eine einzige Träne, ein Stirnrunzeln, ein böses Wort oder einen Wink eingebracht hätte. Sie versicherte mir, daß ihr Mann zum Frühstück mit einer Banane, zum zweiten Frühstück mit einem Kopf Salat, zum Mittagessen mit einer Dattel und zum Abendessen mit einer gesalzenen Mandel ganz zufrieden sein würde. Als das Haus aus Anlaß einer großen Abendgesell­schaft auf den Kopf gestellt wurde und es nicht möglich war, das gewöhnliche Mittagessen zu bereiten, da aß dieser Engel von einem Gatten im Badezimmer Käsebrödchen anstatt des Mittagessens und war noch dazu sehr entzückt davon. Ich konnte es zuerst kaum glauben, aber es soll tatsächlich so gewesen sein.