Ich harre, dass im Laubwerk, dem verdorrten,
Ein wenig Grün sich zeigen will;
Ich harre, dass der Mond die Pforten
Mit blauen Fingern öffnet, sanft und still.
[WILLENSREGUNG]
Hab Mitleid mit den Augen, die verdrossen
Der Seele Hoffen neu erwachen sehn.
Hab Mitleid, Herr, mit dem, was unerschlossen
In Nächten harrt und zaudert aufzugehn!
O Seele du mit deinen leisen Wogen
Und den bewegten Lilien in der Flut,
Von dunklen Wasserstreifen überzogen,
Und was in meinen Augen Edles ruht!
O Gott, der Wasserrosen Hals umstricken
Seltsame Blumen, die ich nie gekannt,
Und deiner Engel unsichtbare Hand
Bewegt die stille Flut in meinen Blicken.
Und ihre unbestimmten Zeichen bringen
Die Blumen in der blauen Flut zum Blühn,
Und meine Seele spannt die weissen Schwingen
Zum Flug, um mit den Schwänen fortzuziehn.
[HÄNDEDRÜCKE]
O Händedrücke!
Das Dunkel dehnt sich zwischen euren Fingern!
Trompetenschrillen im Wettersturm!
Und Orgelklang im Sonnenschein!
Alle Herden der Seele in lichtloser Nacht!
Und alles Salz des Meeres im Gras der Wiesen!
Und diese blauen Meteore rings am Himmelskreis!
(Habt Mitleid mit des Menschen Kraft!)
Doch diese sind noch trauriger und müder!
O, diese Händedrücke eurer armen, feuchten Hände!
Ich höre eure reinen Finger sich um meine Finger legen,
Und Lämmerherden ziehn im Mondenlicht an eines Flusses lauer Flut von dannen.
Ich weiss noch all die Hände, die ich je berührte.
Ich sehe wieder, was in dem Schutze dieser Hände war.
Und heute seh' ich, was ich selbst im Schutze dieser lauen Hände war.
Ein Bettler war ich oft, der Brot am Fuss von Thronen isst.
Ein Taucher war ich, der aus heisser Flut sich nicht mehr retten kann!
Ich war ein ganzes Volk, das nicht mehr aus dem Mauerkreis entkam.
Und diese Hände, wie ein Kloster ohne Garten!