Und die, die mich umschlossen, wie ein Glashaus
An Regentagen eine Krankenschar umschliesst!
Bis andre kamen, kühlere, das Tor zu öffnen
Und Wasser auf die Schwelle auszugiessen!

O, seltsame Händedrücke bekam ich,
Die mich nun immerdar umgeben!
Almosen waren es am Sommertag,
Und eine Ernte in tiefem Keller.
Und Seiltänzerlieder hallten rings um ein Gefängnis,
Und Wachsfiguren standen sommers in den Wäldern!
Oder der Mondstrahl mähte nieder die Oasen,
Und manchmal traf ich Jungfraun schweissgebadet im Schoss von Eisgrotten!

Habt Mitleid mit den seltsamen Händen!
Sie halten aller Könige Geheimnisse umspannt!

Habt Mitleid mit den allzu bleichen Händen!
Es ist, als kämen sie aus Mondeshöhlen.
Sie sind vernutzt vom Spinnen: der Wasserstrahlen Spindel spannen sie.

Habt Mitleid mit den allzu weissen, feuchten Händen!
Mir ist, als hätten Königstöchter sich am Mittag hingelegt den ganzen Sommer lang.

Haltet euch fern von allzu harten Händen!
Sie scheinen aus dem Felsen ausgemeisselt.
Doch habt Erbarmen mit den kalten Händen!
Ich seh' ein Herze bluten unter eis'gen Rippen!
Und habt Erbarmen mit den bösen Händen!
Die Brunnen haben sie vergiftet
Und junge Schwäne in ein Schierlingsnest getan.
Ich sah die bösen Engel mittags alle Pforten öffnen.
Nur Toren sind auf einem giftigen Fluss.
Nur schwarze Schafe sind auf sternenloser Trift,
Und Lämmer gehn, die Finsternis zu weiden.

Doch diese frischen, treuen Hände!
Sie bieten reife Früchte dar den Sterbenden!
Sie tragen frisches, kaltes Wasser in der hohlen Hand.
Milch giessen sie auf blutige Schlachtfelder!
Sie kommen, traun, aus wunderbaren, ewigen Urwäldern!

[NACHTSEELE]

Meine Seele ist betrübt am Ende,
Ist betrübt von all der Müdigkeit,
Matt von ihrer Unzulänglichkeit,
Matt ist sie und auch betrübt am Ende,
Und mein Antlitz harrt auf deine Hände.

Herr, es harrt auf deine reinen Hände,
Harrt auf ihre engelreine Kühle,
Harret auf des Friedensringes Spende,
Harret, dass es ihren frischen Odem fühle,
Einem Schatze gleich im Meeresgrunde.