Licht sind ihre Blätter anzuschauen,
Weissen Mondesglanz sie um sich sät.
Zum Kristall, dem blauen,
Sendet sie ihr mystisches Gebet.

[SEELENGLUT]

Ihr Augen mein, von Finsternis erleuchtet,
Die alle meine Süchte überwand!
Das Herz, das allen Träumen offen stand
In Nächten, da die Seele Schweiss befeuchtet!

Ich hab' die Rosen der verdorrten
Erwartungen versenkt in mein Gemüt,
Und meine Wimpern schlossen ihre Pforten
Über den Wünschen, die umsonst geglüht.

Allabendlich tun meine ohnmachtsstarren
Und bleichen Finger ab das Glockenglas
Der grünen Hoffnung von dem dürren Gras
Der Dinge, die nicht sind und die nicht waren.

Und meine matte Seele lauscht mit Beben
Den Traumesworten, die die Lippe spricht
Im Flor der Lilien, die mich umgeben;
Und meines Herzens Finsternis wird Licht! ...

[SEELE]

O meine Seele!
O meine allzusichre Seele!
Und diese Herden von Wünschen in einem Treibhaus!
Die eines Gewitters über den Wiesen harren!

Tritt zu den Kränksten:
Sie hauchen seltsame Dünste aus!
Mir ist bei ihnen, als beträt ich mit meiner Mutter ein Schlachtfeld!
Man begräbt einen Waffenbruder zur Mittagszeit,
Indess' die Wachen ihr Mahl verzehren.

Tritt auch zu den Schwächsten:
Sie liegen in seltsamem Schweiss.
Sieh hier eine kranke Braut,
Dort einen Verrat am Sonntag
Und kleine Kinder im Kerker.
(Und weiter weg, durch all den Dunst)
Ist's eine Sterbende an der Küchentür?
Eine Krankenschwester, die am Sterbebett Gemüse liest?