Tritt endlich zu den Traurigsten:
(Zuletzt zu ihnen, denn sie sind vergiftet.)
O meine Lippen spüren den Kuss von Verwundeten!
Alle Schlossfräulein starben vor Hunger
Diesen Sommer in den Türmen meiner Seele!

Sieh, der junge Tag tritt hinein in das Fest!
Ich sehe Lämmer an den Ufern entlang
Und einen Schleier vor den Fenstern des Spitals!

Ein weiter Weg ist es von meinem Herzen bis zu meiner Seele!
Und alle Wachen sind auf ihrem Posten tot!

Es war einmal ein armes kleines Fest in den Vorhöfen meiner Seele!
Man mähte dort den Schierling eines Sonntag-Morgens;
Und all die Jungfrau'n aus dem Kloster sahn die Schiffe
Auf dem Kanal vorüberziehn; es war an einem sonn'gen Fasttag.
Indess' die Schwäne litten unter einer gift'gen Brücke,
Schlug man die Bäume rings um das Gefängnis.
Man bracht' an einem Juni-Nachmittag Arznei,
Und Krankenmahle breiteten sich aus nach allen Seiten!

O meine Seele!
Wie traurig ist das alles, meine Seele!
Wie traurig alles!

[MÜDIGKEIT]

So starr sind ihre Augen und erblindet,
Dass ihre Lippe nicht die Stelle findet.
Nur noch versenkt in ihren stolzen Traum
Schaun sie wie Hunde, die am Wiesensaum
Verträumt die weissen Lämmer schreiten sehen,
Wie sie des Mondes Silber auf der Au
Abweiden, überdeckt vom Himmelsgrau, —
Grau wie ihr Leben; stumpf und ohne jähen
Wunsch nach dem Rosenflor in ihren Spuren
Und achtlos dieser tiefen stillen Fluren.

[MÜDES JAGEN]

O meine Seele fühlt so krank sich heut'!
Sie krankt an allem, was nicht ward,
Am Schweigen, das nichts offenbart,
Und meine Augen klären sie mit Leid.

Ich seh' ein regungsloses Jagen,
Seh' der geheimen Süchte Meute
Auf müden Spuren folgen ihrer Beute,
Und der Erinn'rung Geisseln schlagen.