Die Hunde meiner Träume irren
Durch schwülen Wald in langen Zügen
Und nach dem weissen Hirsch der Lügen
Der Reue gelbe Pfeile schwirren.

O Gott, mein atemlos Verlangen,
Der Augen schwüles Wünschen hält
In allzublauem Dunst gefangen
Den Mond, der meine Seel' erhellt.

[MÜDE RAUBTIERE]

O die verrauschten Leidenschaften!
Der Tränen Flut, des Lachens Klang!
Unter dem welken Laub erschlafften
Mit halbgeschlossnen Lidern, krank,

Die gelben Hunde meiner Sünden
Und meines Hasses schielende Hyänen,
Und auf verdrossnen bleichen Wiesengründen
Seh' ich die Löwen sich der Liebe dehnen!

In ihres Traumes Ohnmacht hingekauert
Und müde unter schlaffem Himmel,
Der trüb und farblos niedertrauert,
So seh' ich ihren Blick auf dem Gewimmel

Der Lämmer der Versuchung haften,
Die langsam, eines nach dem andern,
Im stillen Mondschein weiterwandern —
Und stille ruhn sie, meine Leidenschaften ...

[GEBET]

Wie ein Weib verzagt ist meine Seele!
Gott, sieh gnädig nieder auf das Tun
Meiner Hände, Lilien der Seele,
Meiner Augen, drin des Herzens Himmel ruhn!

Herr, erbarm dich meiner Nöte!
Ring und Palmenzweig hab' ich verloren.
Herr, erbarm dich meiner Angstgebete;
Schwache Blumen sind sie, die im Glas verdorren.