Ostwald hat in seiner Energetik den Begriff der Materie in den der Energien aufgelöst. Ich muß auch darauf hier schon eingehen, da wir wissen müssen, was diese Auflösung eigentlich bedeutet. Auch ist sie für seine Theorie von größter Wichtigkeit. Jede Energie ist zwiespältig, ein Produkt von zwei Faktoren, der Intensität und der Kapazität. Der nicht physikalisch vorgebildete Leser wird mich am besten an einem Beispiel verstehen. Lebendige Kraft (Masse mal Quadrat einer Geschwindigkeit) ist eine Energie. Steigen wir auf einen Turm und lassen da ein Kilogramm aus freier Hand herunterfallen, so bekommt dieses, an der Erde angelangt, eine bestimmte Geschwindigkeit und eine bestimmte lebendige Kraft, Energie. Nehmen wir statt ein Kilogramm ein Stück von zwei Kilogramm, so langt dieses an der Erde mit der gleichen Geschwindigkeit an, aber seine lebendige Kraft ist doppelt so groß. Bei drei Kilogramm ist die Geschwindigkeit wiederum die nämliche, aber die lebendige Kraft dreimal so groß usf. Also richtet sich die Aufnahmefähigkeit, Kapazität, für diese Energie nach der Masse. Diese ist der eine Faktor. Nun besteigen wir einen anderen, viermal so hohen Turm und lassen wieder das eine Kilogramm frei fallen. Wir finden jetzt die Energie unten am Boden, indem die Geschwindigkeit, mit der das Kilogramm dort anlangt, jetzt doppelt so groß ist, aufs vierfache gesteigert. Bei einem neunmal so hohen Turm würden wir unten am Boden das Kilogramm mit der dreifachen Geschwindigkeit ankommen sehen und bei ihm eine neunfache Energie bemerken usf. Also ist hier die Geschwindigkeit entscheidend. Diese, oder vielmehr ihr Quadrat, ist das zweite an der Energie, ihr Intensitätsfaktor. Was hat nun Masse mit Geschwindigkeit zu tun? Wir können jeder Masse jede beliebige Geschwindigkeit erteilen. In der behandelten Energie sind aber Masse und Geschwindigkeit zu einem Produkt vereint. Entsprechendes gilt für alle Energien ausnahmslos. Alle führen ein zwiespältiges Dasein nach zwei Richtungen.
Wir haben gewissermaßen eine Spinozasche Substanz mit zwei Attributen: Intensität, Kapazität. Das wäre ganz gut. Aber diese Attribute sind voneinander absolut unabhängig; jedes kann für sich beliebig konstant bleiben, wenn das andere variiert, oder variieren, wenn das andere konstant ist; und variieren beide, so variiert jedes durchaus nur für sich, ohne jede Beziehung zum anderen. Nicht einmal eine Parallelvariation, wie bei den Spinozaschen Attributen der Substanz, ist hier vorhanden. Auch die Abhängigkeit von der Energie ist nur eine relative, denn wenn letztere variiert, braucht nur eines der Attribute mit zu variieren, und wenn beide Attribute reziprok variieren, bleibt die Energie konstant. Daraus folgt, daß keines der Attribute in Energie aufgelöst ist. Beide Attribute, Kapazität und Intensität, stehen neben Energie durchaus selbständig da. Nun ist in den wichtigsten Vorgängen Masse eine solche Kapazität. Somit bleibt die Masse. Sie hat nur ihren Namen geändert; sie ist als Kapazität einem allgemeinen Begriff untergeordnet, zu dem Volumen, Form, Elektrizitätsmenge usf. gehört. Eine wirkliche Vereinfachung hat so wenig stattgefunden, wie bei mechanischen Vorgängen, wenn man das Bewegungsmoment einführt, das gleichfalls Kapazität und Intensität hat, Masse und Geschwindigkeit. Und alle Schwierigkeiten, die aus dem Begriff der Masse erwachsen, namentlich alle Dualismen, sind in der Energetik nicht vermieden; sie bleiben als solche und müssen sofort zutage treten, sowie man die Energieumwandlungen in physischen Vorgängen wirklich verfolgt. Was wandelt sich da, Kapazität oder Intensität? Oder wandeln sich beide? Was bedeuten im einzelnen Vorgang Kapazität und Intensität? Fragt man darnach nicht, so weiß man nicht, wie die Energie sich wandelt; ob sie in ihrer Art unverändert bleibt oder in eine neue Art übergeht, das heißt, ob wir innerhalb der einen Erscheinung bleiben, und diese nur intensiv steigt oder fällt, oder ob wir überhaupt eine andere Erscheinung erhalten. Also vom Wichtigsten bleibt man ununterrichtet. Geht man aber in das Einzelne, so sitzt man sofort wieder fest mit der Kapazität und Intensität, zum Beispiel der Masse und dem Quadrat der Geschwindigkeit usf. Und das ewige Problem: wie kann Variation einer Masse psychische Vorgänge auch nur beeinflussen, zum Beispiel sie stärken oder schwächen? bleibt so ungelöst, wie überhaupt in der materialistischen Theorie. Denn die Antwort: weil die Masse Kapazität der Energie ist, besagt gar nichts für das Problem, sie ändert nur den Namen, Kapazität für Masse. Die Energetik leistet, von diesem Gesichtspunkte betrachtet, nicht mehr als die Mechanistik; die Hauptfragen läßt sie offen.
Gleichwohl darf man zugestehen, daß, wenn sonst nichts gegen sie vorläge, sie der Mechanistik vorzuziehen ist, da sie ja bei weitem allgemeiner sich darstellt und alles Physische umfaßt, und da Arbeit, Energie viel mehr an Psychisches anklingt als Bewegung. Nur was sie zu leisten verspricht, das leistet sie tatsächlich nicht: Kapazität (darunter auch Masse) und Intensität bleiben jede für sich und jede neben der Energie, ganz so, wie in der Mechanistik Masse und Geschwindigkeit jede für sich stehen und jede neben dem Bewegungsmoment. Sagt der Mechanistiker, alle psychischen Vorgänge sind Umwandlungen von Bewegungsmomenten, so spricht er gerade so wie der Energetiker. Aber das Erhaltungsprinzip, das doch für Energien immer, für Bewegungsmomente nur ausnahmsweise gilt? Das Prinzip hat für die Art der Vorgänge gar keine Bedeutung. Man kann aus ihm für diese Art absolut nichts entnehmen. Es ist für die Grundfrage völlig irrelevant. Die Energetik sagt: psychische Vorgänge sind Energieumwandlungen. Wir erfahren damit, daß sie dem Prinzip der Erhaltung unterworfen sind. Aber was da wandelt, wie es wandelt, erfahren wir durchaus nicht, da wir es doch erfahren müssen, wenn wir nicht ein Wort für ein anderes setzen, und wenn wir zwischen den verschiedenen psychischen Vorgängen unterscheiden wollen. Meint man, daß wir das jetzt noch nicht können und daß die Zukunft uns das aufdecken muß — wohl! Aber die Rollen der Kapazitäten und der Intensitäten muß die Energetik so gut wie die Mechanistik sogleich aufdecken. Sogleich muß sie zeigen, warum, wenn im Gehirn eine Masse variiert, zum Beispiel Wasser austritt, Ermüdung und Bewußtlosigkeit entstehen können. Die Antwort, weil damit eine Energieänderung verbunden ist, belehrt nicht. Denn erstens braucht das gar nicht der Fall zu sein, da der zweite Faktor, die Intensität, die Energieänderung durch die Stoffänderung sowohl nach Stärke als nach Art aufheben kann. Zweitens ist eine solche Antwort nur eine Antwort in Worten, gerade so wie in der Mechanistik. Über der Energie sind ihre beiden Faktoren zu sehr vergessen worden. Obwohl sie doch so variieren können, daß die Energie überhaupt nicht variiert, weder nach Stärke noch nach Art. Was dann wirklich geschieht, werden wir uns ja leicht vorstellen, es kann das ganze Leben zerstört werden. Was geschieht dann aber psychisch nach der Energetik? Gar nichts!
Ich habe dieses alles erwähnen müssen, nicht um die Mechanistik gegenüber der Energetik hervorzuheben — die Mechanistik ist meines Erachtens noch bei weitem unbrauchbarer auf psychischem Gebiete als die Energetik —, sondern um klarzulegen, was wir an der etwas stark prätentiös auftretenden Lehre der Energetik haben, worin sie uns gerade so in Stich läßt wie alle physischen Theorien. Was im nächsten Abschnitt zu sagen ist, wird das Vorstehende noch sehr verstärken.
Häckel ist nicht so weit gegangen wie Ostwald, er hat der Materie ihr Recht gelassen und möchte alles aus Umwandlungen von Materie und Energie erklären. Häckel ist materialistischer Spinozist. Mit Spinoza nimmt er ein Ding-an-sich an, und an diesem Ding Attribute. Für das eine Attribut setzt er, entsprechend der Ausdehnung nach Spinoza, die Materie. Als zweites Attribut nimmt er die Energie an. Indessen fühlt er selbst sich gezwungen, dieses Attribut in zwei Attribute zu zerlegen: in Energie, nach Art dessen, was wir gewöhnlich Energie nennen, nämlich die gewöhnliche physikalisch-chemische, oder physische, wie wir kürzer sagen, und in Energie, die er als Psychom bezeichnet. Letztere ist etwa die psychische Energie nach Ostwald. Allein während Ostwald diese Energie nur so bezeichnet, weil er frei lassen will, daß in psychischen Vorgängen auch andere Arten von Energie mitwirken als die wir vorläufig kennen, haben Häckels Psychome eine selbständigere Bedeutung. Sie wandeln wie die anderen Energien und mit den anderen Energien, jedoch sie erhalten sich selbst, ohne diese anderen Energien. Dadurch aber sind sie scharf von ihnen geschieden, und sie sind ein drittes Attribut des Ding-an-sich, der allgemeinen Substanz. Häckel sagt in seinem an Sich ausgezeichneten und höchst edel geschriebenen Buche „Die Welträtsel“, einem Buche, das übrigens den einzigen wirklichen Versuch einer Enträtselung der Welt auf Grund der modernen Naturwissenschaft unternimmt: „Die drei fundamentalen Attribute der Substanz (des Ding-an-sich): a. Raumerfüllung oder Ausdehnung, Stoff (= Materie); b. Bewegung oder Mechanik, Kraft (= Energie); und c. Empfindung oder Weltseele, Geist (= Psychom) sind demnach ganz allgemeine Grundeigenschaften aller Körper.“ Und — was also besonders bedeutungsvoll ist — das Erhaltungsgesetz, das er für die beiden ersten Attribute, Materie und Energie, für jedes besonders, annimmt, läßt er in ganz gleicher Weise für das dritte Attribut, das Psychom abermals besonders, gelten, denn gesperrt gedruckt stellt er den Satz hin: „Die Summe der Empfindung im unendlichen Weltraum ist unveränderlich.“ Also die drei Attribute stehen nebeneinander; es handelt sich um eine Trinität der Welt, die Häckel auch nennt. Materialist ist er nur darin, daß er dem dritten Attribut die Eigenschaft der zwei anderen Attribute zuschreibt, was aber gleichfalls Spinoza entsprechen würde. Indem er aber bei diesem dritten Attribut von stufenweiser Verschiedenheit in der Reihe der Körper spricht, von Erwerbung in der Entwicklung (der ontogenetischen wie der phylogenetischen) und von Vererbung, stellt er es noch weiter ab von der physischen Energie, bei der nichts von derartigem zu finden ist, als allein aus der Verselbständigung folgen würde. Seine Lehre ist aber durchaus eine Entwicklungslehre. Was also von dieser gesagt ist und von ihrem Verhältnis zu den psychischen Eigenheiten, trifft hier in jeder Hinsicht völlig zu. Und Häckel selbst kommt ja dem entgegen durch die Sonderstellung des Psychomattributs. In allem aber, was er von der Entwicklung des Bewußtseins spricht, so schön es ist, kann man im Grunde nur eine Verfolgung der Bewußtseinszustände durch die organische Reihe sehen. Wie aber diese Zustände physisch entstanden sind, wie sie sich physisch entwickeln, davon wird nichts gesagt. Und das gerade ist doch für uns die Hauptsache. Die geringste seelische Regung zeigt sich so grundverschieden von jeder physischen Kraft, jedem physischen Vorgang, jeder physischen Umwandlung, daß sie schon ein Wunder dünkt, und daß es uns gar nichts hilft, wenn man uns erklärt, daß zwischen unserer geistigen Tätigkeit und der der tiefststehenden Lebewesen eine kontinuierliche Stufenleiter ist. Wir können das zugeben. Aber woher selbst nur die erste tiefste Seelentätigkeit? Die Frage bleibt unbeantwortet wie die: woher das erste tiefste organisierte Wesen (nach Kant)? Hätte Häckel das nicht selbst gefühlt, so würde er das Psychom als drittes Attribut nicht von der Energie absolut abgesondert haben in seinem Wesen, es sogar für vererblich erklärt haben.
Ostwald und Häckel sind die originalen Schöpfer der Energetik der Psyche, nach zwei recht verschiedenen Richtungen. Ihre Schüler haben nichts Wesentliches hinzugefügt, nicht selten aber die Lehren ihrer Meister höchst mißverstehend angewendet. Nur den bekannten Physiker Felix Auerbach muß ich hervorheben, doch spreche ich von ihm später.
53. Über die physischen Welt- und Lebenanschauungen überhaupt; Weltende, Unsterblichkeit.
Wir kommen zu einer letzten Besprechung der vorstehend dargelegten Anschauungen und nehmen erst die unbelebte Welt. Es handelt sich allein um den Anfang, da nur hier etwas Außer- und Übernatürliches in Frage kommen kann, für alles Folgende aber wir auf dem physischen Standpunkt durchaus bleiben dürfen. Von dem Anfang nun wissen wir, bestimmt, nichts. Aber wir können auf ihn schließen aus dem Ende, falls wir annehmen, daß die Welt nicht unendlich ist an Stoff und Energie. Diese Annahme der Begrenztheit an Stoff und Energie — sie entspricht der Anschauung von E. Dühring ([S. 417]) — wollen wir machen; ob sie sich rechtfertigen läßt, ist später untersucht. Wir haben drei regulative Prinzipe kennen gelernt, nur das dritte kommt in Betracht. Dieses Prinzip hat zur Folge, daß alle Vorgänge, erzwungene und freie zusammen, die in einem absolut abgeschlossenen System stattfinden, dahin gerichtet sind, in diesem System einen bestimmten Zustand herzustellen, in dem nur noch in sich genau zurücklaufende und rückgängig zu machende Vorgänge möglich sind, wie zum Beispiel Bewegung von Körpern in stets gleichen Bahnen. Wo nun Widerstände vorhanden sind und wo Energien mitspielen, die nur beschränkt sich in andere Energien umwandeln, besteht keine Möglichkeit für genau rückgängig zu machende Vorgänge. In diesen Fällen geht der Endzustand in einen solchen über, in dem überhaupt keine Vorgänge mehr vorhanden sind; das System ist, wie wir sagen können, physisch tot. Und — das ist das Wichtigste — allein aus sich heraus kann dieses System niemals wieder zu Leben gelangen, es bleibt in Ewigkeit in dem gleichen Beharrungszustand, wenn von außen nicht etwas eingreift. Dehnen wir diesen Satz auf das Universum aus, so würde er bedeuten, daß, wenn jene genannten Bedingungen erfüllt sind, auch das Universum einmal physisch absterben, in einen bestimmten Beharrungszustand übergehen muß. Nun kennen wir in der Tat Energien, die, nach den Verhältnissen, wie sie eben im Weltall bestehen, nur beschränkt verwandelbar sind. Dazu gehört als die wichtigste Energie die Wärme. Ob auch im Weltenraume überall Widerstände vorhanden sind oder nur in beschränkter Zahl auftreten, wissen wir natürlich nicht. Wir wissen aber, daß überall ungeheure Massen von kleinen Körpern und von Staubwolken verbreitet sich finden. Wir wissen, daß sehr oft Himmelskörper zusammenstoßen. Endlich sind wir mehr und mehr gezwungen, anzunehmen, daß der Weltenraum mit einem Stoff erfüllt ist, dem Äther, der ganz außerhalb alles Materiellen stünde, wenn er nicht der Bewegung der Körper durch ihn einen — wenn auch noch so geringen — Widerstand leistete. Über die Natur des Äthers wird freilich noch viel zwischen den Gelehrten gestritten. Jedenfalls haben wir Widerstände im Weltall, und wenn etwa irgendwo ein System sich in der Tat absolut widerstandslos in Ewigkeit bewegen sollte, wofür aber kaum eine Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, so würde eben der Endbeharrungszustand die Bewegung dieses Systems einbegreifen. Von den verlorenen Vorgängen könnte aber keiner allein aus der Welt heraus wieder erstehen. Ich habe mich hier absichtlich sehr vorsichtig ausgedrückt. Andere fassen das „Ende der Welt“ viel schärfer. Hier betrifft das Ende entweder alle Vorgänge oder wenigstens gewisse Vorgänge.
Wenn aber ein Vorgang ein Ende hat, so muß er in einer endlichen Welt einmal begonnen haben. Er kann aus anderen Vorgängen erwachsen sein, wie Wärmebewegung aus dem Zusammenstoß von Körpern. Dann sind es diese anderen Vorgänge, an die wir uns zu halten haben. So können wir in der Reihe weiter zurückgehen. Ist nun die Welt endlich, so müssen wir in endlicher Zeit auf etwas gelangen, hinter dem die Reihe nicht mehr fortgesetzt werden kann, da in einer endlichen Welt die Zahl der Zustände nicht unendlich sein kann. Das bedeutet aber, daß irgend wann Vorgänge geschaffen sein müssen, aus denen heraus sich alle Vorgänge unserer Welt entwickelt haben, die zuletzt wieder zur Beharrung führen. Wieviele Vorgänge geschaffen sein sollen, ist gleichgültig, denn eine Schöpfung ist eine solche, ob es sich um Millionen von Vorgängen handelt oder nur um einen Vorgang. Das gilt für die gesamte Welt, auch wenn Kohärenzen ([S. 441]) stattfinden. Also für eine endliche Welt kommt man — so lehrt die Naturwissenschaft — nicht ohne einen Anfang aus, das heißt, nicht ohne einen Schöpfungsakt der Vorgänge. Eugen Dühring nimmt, wie wir wissen ([S. 417]), gleichfalls einen vorgangslosen Urzustand der Welt an. Er lehnt einen Schöpfungsakt für die Vorgänge, oder wenigstens für einen Vorgang, ab. Wie er aber dann zu einer Welt mit Vorgängen kommen will, ist rein naturwissenschaftlich absolut nicht zu ersehen. Eine Schöpfung, ob durch Gott oder eine Weltseele, ist ganz unausweichlich. Ein absoluter Ruhezustand kann aus sich niemals einen Vorgang hervorbringen. Es bedarf dazu durchaus eines Einwirkens von Außen.
Es ist begrifflich gleichgültig, ob wir von einer Schöpfung der Vorgänge, oder der Körper, oder einer Materie im Sinne eines Chaos sprechen. Doch ist es zweckmäßig, nicht mehr zu sagen als die Lehre ergibt. Gleichwohl möchte ich noch folgendes hinzufügen. Die neuere Wissenschaft führt mehr und mehr zu der Anschauung, daß, was man letzte Teilchen der Materie nennt, Atome, Korpuskeln usf., Ungleichheiten im Weltäther bedeuten, wie kleine Wirbel Ungleichheiten in einem Wasser. Die Körper wären Ansammlungen solcher Ungleichheiten. Ungleichheiten aber können entstehen und vergehen. Sind in dem Stoff, in dem sie sich finden, hier der Weltäther, Widerstände vorhanden, so müssen die Ungleichheiten einmal entstanden, das heißt geschaffen sein. Dann reduzierte sich der Anfang auf den Äther allein, außer der Schöpferkraft. Und zuletzt müssen die Ungleichheiten schwinden. Zusammen bedeutet dieses, daß die Welt der Materie geschaffen ist und allmählich sich auflöst. Mit dem Prinzip der Erhaltung der Materie steht das nicht im Widerspruch, wenn wir den Äther in Rücksicht ziehen, denn die Ungleichheiten lösen sich eben nur auf, der Äther in ihnen bleibt. Was die Energien anbetrifft, so müssen sie am Anfang alle sogenannte Spannungsenergien gewesen sein, und zwar, wenn auch die Materie geschaffen ist, solche im Äther. Der große englische Physiker Maxwell hat derartige Energien im Äther angenommen. An die Materie knüpfen sie sich entweder nur scheinbar oder tatsächlich, wenn die Materie selbst nur Äther in besonderem Zustand ist. Aus diesen ursprünglichen Spannungsenergien sind dann durch die Geschehnisse die anderen Energien hervorgegangen, und in diese Spannungsenergien werden diese anderen Energien zurückkehren, wenn die körperliche Welt das bezeichnete Ende, auch der Körper, gefunden hat. Das Ende ist der Anfang. Eine Idee, die übrigens schon bei den Alten sich findet.