»Das vor der Pubertät über geschlechtliche Vorgänge und Gefahren aufgeklärte Kind wird mit offenen Augen in die Ehe gehen. Die Befriedigung des sexuellen Triebes wird als »eine natürliche Begleiterscheinung des Lebens auftreten, als etwas, das ungesucht kommt …, das aber niemals als ein Ziel an sich begehrt werden darf«. Sie wird einen Spezialfall der ehelichen Gemeinschaft bilden und nur gerade die Kindererzeugung und die Verausgabung des physischen Kraftüberschusses zur Folge haben; sie wird den Charakteren und Wünschen beider Gatten entsprechend in ihrem Leben einen größeren, geringen oder gar keinen Raum einnehmen; sie wird jedenfalls nicht als der Gipfelpunkt des ehelichen Zusammenlebens, noch als »zum täglichen Brot gehörig« betrachtet werden. Vor allem aber – darauf läuft das ganze Werk hinaus – muß die Frau vor der Brutalität des Mannes, vor der »Unsittlichkeit in der Ehe« geschützt werden. Das kann auf doppelte Weise geschehen. Das in Frankreich nicht mehr unbekannte »Heiratszeugnis« bescheinigt ärztlich, daß das Vorleben des künftigen Gatten, wie es auch immer gewesen sein mag, seinen Gesundheitszustand nicht ungünstig beeinflußt hat; gewissenhafte Eltern werden von dem Bräutigam ein solches zu fordern den Mut finden. Zweitens wird der nötige Schutz durch den in Amerika bekannten Heiratsvertrag gewährleistet, worin die Bedingungen des geschlechtlichen Verkehrs festgesetzt und insbesondere die jedesmalige Einwilligung der Gattin als unerläßliche Bedingung vorausgesetzt wird. Bruch des Vertrags ist Grund zur Ehescheidung. Natürlich setzen derlei Zeugnisse und Verträge eben voraus, daß die Braut weiß, worum es sich handelt, und sich nicht schämt, es zu wissen. Wo ist sonst Wissen Schande? Und wie unsinnig, den Zeugungs- und Geburtsvorgängen ein Brandmal anzuhängen – »süßes Geheimnis«, lautet der Euphemismus – während das glückliche Resultat mit Pauken und Drommeten gefeiert wird.

Es muß eine Zeit kommen, die dem Carpenterschen Buche unrecht tun wird, denn es ist das Produkt einer Uebergangsepoche, unbestimmt in seinem Programm, unpraktisch und zweifelnd in einigen seiner Zukunftsvorschläge. Messen wir es freilich an den gegenwärtigen Zuständen, so ist es ein kühnes und mutiges Buch, das Tausenden von Unglücklichen ihr Elend grell beleuchtet und andere Tausende vor dem gleichen Elend bewahrt. Loves coming of age ist ein Buch gegen die Frau von gestern und heute, es ist vor allem ein Buch gegen den Mann. Und wie gut ist es, wenn Männer gegen Männer schreiben, Frauen gegen Frauen! Die bequeme Anklage, man verstehe sich eben nicht und sei zur gegenseitigen Beurteilung zu verschieden, wird hinfällig, und wider Willen läßt man das Gericht des Geschlechtsgenossen über sich ergehen. – Es ist ein frisches und gesundes Buch und in der Schilderung des heutigen trostlosen Zustände beredt und ergreifend. Dem Uebersetzer gebührt Dank, daß er ihm seinen Weg durch die deutschen Lande geebnet hat.«


Das Buch von Carpenter (4. Aufl.) ist durch alle Buchhandlungen zum Preise von Mk. 3.– brosch. und Mk. 4.– eleg. geb. zu beziehen.


Neue Werke des mährischen Dichters Karl Hans Strobl.

»Die Vaclav-Bude«.

Ein Prager Studenten-Roman. 2. Aufl. Br. M. 3,–, geb. M. 4,–.

»Nach der süsslichen Romantik ›Alt-Heidelbergs‹ wirkt ein so gesundes Buch, wie das vorliegende, doppelt wohlthuend. Strobl schildert in seinem Studentenroman die letzten Tage der sturmbewegten Zeit unter dem Ministerpräsidenten Badeni. Die Schrecken dieser wenigen Wochen sind von dem Autor mit einer solchen Anschaulichkeit geschildert, dass es einem an mancher Stelle den Atem verschlägt.«