»Aber ja …« sagte die Großmutter einfach und löffelte weiter »Was für Flasch is das denn? Wo hast es denn gekauft?«

»No Rindfleisch, vom Körbelwirt. Das ganze Stück« sie brachte es vom Ofen »kostet zehn Kreuzer … Die Mutter ist nämlich noch aus dem billigen Land, mußt du wissen« wandte sie sich an Arnold.

»Wirklich nich teier« lächelte die Alte, sichtlich erfreut »Ja man muß sparen mit dem Geld … Waßt de, Geld wenn wär nur Geld – aber Geld is alles …«

Arnold erinnerte sich plötzlich, da die Großmutter aß und die Mama ihr freudig zusah, daß er ja Witze erzählen sollte, unterhalten, – bisher hatte er eigentlich nur wie bezaubert herumgeschaut und zugehört, ganz gegen seine Gewohnheit. Jetzt setzte er sich in Bewegung und begann von seinen fabelhaften Ersparnissen zu berichten, was die Großmutter sehr zu freuen schien. Nur durch sachgemäße Fragen, ob das Geld auch in der Bank liege u. s. f., unterbrach sie ihn … Das Gespräch wurde nun immer lebhafter, während die Großmutter immer wieder nach einer Pause den Suppentopf vornahm; ja Arnold, der diesen Besuch bisher als ganz außerhalb seiner Welt und städtischer Konversationsmanieren liegend angesehn hatte, fühlte sich jetzt fast wie in Gesellschaft, ohne Besonderheit, jedenfalls auf einem Niveau, das mit dem Küchensessel und den Dorffensterchen nicht das Mindeste zu tun hatte. Die Großmutter erzählte von ihrem Beruf und wie man sie überall gern sah. »Frau Goldbergen« rief man ihr zu wenn sie vorbei ging »was kümmen Sie nit a bißl zu uns rein. Wir brauchen Scherzen, Ticher. Bleibens ock doue. Es kummt Ra'n.« Eine Bemerkung Arnolds aber, daß sie also recht viel verdiene, schien ihr zu mißfallen. »Ja, viel Meloche, wenig Broche« antwortete sie. Nach einer Weile fuhr sie fort: »Häst e Geschmack von e Supp gehabt!«

»Sie schmeckt dir nicht gut?« rief Arnold besorgt.

Sie antwortete nicht, ihr Gesicht wurde finster.

Nun hielt er den Moment für gekommen, sein Gedächtnis nach Witzen zu durchsuchen. »Was ist das? Es ist weiß und hat keinen Kopf, und trotzdem schaut es« gab er auf. Die Großmutter dachte nach, ernstlich. »Ich werde es dir also …« »Ich möchte sagen« unterbrach sie »e Kopf von e Gans.« Er lachte: »Aber nein, es soll ja eben keinen Kopf haben. Ein Unterhosenbandl ist es.« Sie nickte ihm freundlich zu, schien aber den Sinn nicht zu verstehn: »Ja in der Stadt, do habts ihr so verschiedene Wörtlach. – E komische Supp, was das is. Habts ihr immer solchene Suppen?«

»Es ist eben kein Salz drin. Du wolltest keins« erklärte die Mama.

Arnold vermittelte: »Du siehst, es geht uns trotzdem gut. Wir sehn ganz beruhigend aus.«

Sie sah ihn näher an und jetzt erst fiel ihm ein, daß er nach halbschlafloser Nacht nicht eben sehr blühend sein mochte. »E bißl schmal« sagte auch sofort die Alte »Schlafst du denn genüg? Schlaf is e Wohltätigkeit für e schwachen Menschen. Regieleben« als bemerkte sie es jetzt zum erstenmal »eppes dick biste geworden. Dicker mußte nix werden, das ist nicht gesünd. So kannste bleiben.«