„Nein, bleiben Sie“, rief der Baron verzweifelt, „Bleiben Sie bei mir. Sprechen Sie noch. Sie tun mir so wohl. Und damit will ich nicht sagen, daß ich mich nur an Sie gewöhnt habe. Nein, es ist etwas Wesenhaftes, Wirkliches, wenn Sie bleiben.“

Die Erscheinung schüttelte ernst den Kopf: „Ich darf es nicht.“

„Und wenn ich Sie kniefällig bitte. Wenn ich Ihnen sage, daß Ihre Worte von unendlicher, ausschlaggebender Bedeutung für mein Seelenheil sein können, daß meine unsterbliche Erlösung in Ihrer Hand liegt.“

„Ein höheres Gesetz zwingt mich, zu gehen.“

In einer Demut, die er nie vorher gekannt hatte, neigte der Minister das Haupt. Die Erscheinung reichte ihm sanft die Hand.

„Dann sagen Sie mir wenigstens noch das eine: Welche erschütternden Erfahrungen, hohen Studien, welche Gelehrsamkeit und großartige Unterweisung haben Sie in Ihrer Sylphenwelt durchgemacht, um sich zu einer so hohen Erkenntnisstufe emporzuringen, daß Ihnen nach dem Tode wenig mehr als eine kleine Peinlichkeit beschieden war? Gewiß waren Sie Philosophenschüler und selbst Philosoph, waren ein großer verkannter Künstler, oder gar ein Apostel, ein Prophet, ein Religionsstifter?“

„Nein“, erwiderte die Erscheinung mit eigentümlich verhaltenem Lächeln. „Ich habe gelebt wie jeder andere. Ein Unrecht habe ich niemals geduldet, das ist wahr, aber zum Studieren hatte ich nur wenig Zeit. Mein Beruf freilich war sozusagen ein philosophischer. Oft mußte ich nämlich allein sein, in einer ganz engen finstern Kammer, fern von allen Menschen und nur auf mich angewiesen. Soetwas lädt zum Nachdenken ein. Ich war Schornsteinfeger.“

Der Minister zuckte zusammen. „Schornsteinfeger — Schornsteinfeger“ — wiederholte er lallend.

Als er aufsah, war die Erscheinung spurlos verschwunden. — — —

Plötzlich schrie er auf und stürzte ans Telephon: „Hallo — Irrenanstalt, Irrenanstalt.“