„Nun, Sie sagen also . . . Sie sind also gestorben . . . Und doch leben Sie . . . Was bedeutet das? Ich meine, können Sie sich nicht vernünftiger ausdrücken? Sind Sie also eigentlich gestorben oder sind Sie hier?“

„Ich bin hierhergestorben . . . wegen meiner Sünden.“

Der Baron schüttelte den Kopf. „Wegen Ihrer Sünden, das sagten Sie schon. Was für Sünden? Sie sind ein Mörder, nicht wahr?“

Eine heftige Bewegung des Abscheus ging durch den Leib des Gespenstes, es schüttelte sich von oben bis unten und, immer noch etwas unbeholfen, aber mit unbewußter Energie, hob es jetzt die Arme hoch empor und schlug sogar die Hände über dem Kopf zusammen, indem es jammervoll rief: „Ein Mörder! Ich, ein Mörder! — Nein, Gott sei Dank, davon habe ich mich zeitlebens weit entfernt gehalten. Mordgedanken kann ich auch bei peinlichstem Nachforschen in meinem Gemüt, wie es damals war und wie es jetzt ist, nicht entdecken.“

„Also haben Sie gestohlen, betrogen, Schiebungen gemacht, Gaunereien — oder sind unehrlich gewesen, nicht?“

„Unehrlich — ja das vielleicht. Ich habe nicht immer und nicht bei jedem Schritt an die ewige Wahrheit der Dinge gedacht, obwohl ich immer und immer wieder diesen festen Vorsatz hatte.“

„Und das war Ihre ganze Unehrlichkeit?“ lachte der Baron auf.

„O eine Sünde — die allerärgste Sünde! Deshalb erlebe ich ja zur Strafe diese furchtbare Versetzung in eine andere Welt, deshalb ist ja meinem Sterben nicht ein Aufstieg in die höhere Sphäre gefolgt, sondern das entsetzliche Ausgestoßensein in eine beigeordnete, wo nicht tiefere Entwicklungsstufe.“

„Unfaßbar. — Sie beharren also wirklich darauf, daß Sie gestorben sind?“

„Natürlich, das ist es ja, ich erlebe soeben das, wovor man sich am meisten fürchten soll, oder besser gesagt, was man als Zeichen der göttlichen Gerechtigkeit am meisten ehrfürchten soll, — ich erlebe die erste Stunde nach meinem Tode.“