Endlich ganz unten fanden wir etwas fauliges Wasser. Es schmeckte ekelhaft, aber wir waren darüber doch so sehr erfreut, dass der Finder zur Belohnung eine Flinte abschiessen durfte, sein heissester Wunsch, um dessen Erfüllung er schon die ganze Zeit gebettelt hatte. Zwei Fächerschwänzchen flatterten in der Nähe neckend herum, und diese nahm er aufs Korn. Er traf natürlich nicht ein einziges der hübschen Thierchen, und mit leeren Händen, aber dennoch freudig grinsend und stolz kehrte er aus dem Gebüsch zurück, nachdem er beide Läufe losgeknallt hatte. Er wurde dafür zum »Tamata ndakai«, Meister des Schiessens, ernannt, ein Spitzname, der ihm wohl Zeit seines Lebens bleiben wird, und durch den er sich äusserst geschmeichelt fühlte.

In dem hochgelegenen Dorf Lomadsche angelangt konnten wir endlich auch unseren Hunger einigermassen stillen. Wir kehrten in einer Hütte ein und liessen uns Kokosnüsse und gekochte Schnecken geben.

Es war der in unseren Naturalienkabinetten noch so seltene und nur auf die Insel Kandavu beschränkte, hier aber massenhaft vorkommende Bulimus Seemanni, mit dem wir regalirt wurden. Abgesehen von der langgestreckten Form des Gehäuses erinnert er vielfach an unsere Helix Pomatias. Das Thier sieht ganz ebenso aus, und auch die Epidermis der Schale hat die Eigenschaft sich abzubröckeln, so dass der weissliche Kalk blossgelegt wird. Namentlich an den Hängen des Bukelevu scheint er besonders gut zu gedeihen und als Bewohner höherer Regionen eine stärkere und schlankere Entwickelung des Gehäuses zu zeigen wie in den übrigen weniger hohen Bergwäldern Kandavus.

Ein paar Weiber kamen vom Fischen zurück. Sie waren mit dem Blättergürtel, dem Liku, angethan. Zu Ehren unserer Anwesenheit beeilten sie sich, in einer Ecke dieses altmodische Kleidungsstück schnell mit einem moderneren Baumwollensulu zu vertauschen.

Als wir aufgetriebenen Leibes von den Kokosnüssen und Schnecken und mit qualvollen Bauchschmerzen unser Standquartier Dangai erreichten, verkündeten uns schon von ferne die fröhlichen Farben rother, gelber und grüner Federn, die rings um unsere räucherige Hütte gestreut den Boden bedeckten, dass Mister Daymac eine Menge Papageien zu unserer Nahrung erlegt hatte. Sie kochten bereits den ganzen Tag in einem der grossen Töpfe und bildeten nun, zu einem zarten mit Knochen durchspickten Fleischbrei aufgelöst, ein köstliches Mahl.

Der nächste Tag war ein Sonntag. In aller Frühe krochen die Mädchen des Dorfes aus ihren Hütten, sich festlich zu schmücken. Zuerst wurde draussen in der See ein Bad genommen, wobei sie züchtig den Sulu am Leib behielten. Dann setzten sie sich im Kreise zusammen und zerkratzten sich ihre kurzgeschorenen Häupter mit gestielten hölzernen Kämmen. Da auch ich ganz in der Nähe mit meiner Toilette beschäftigt war, kam eine derselben heran, mich um meinen europäischen Kamm zu bitten, und war sehr glücklich, als ich ihn gewährte. Ich hielt es für gut, ihn danach aufs Sorgfältigste durchzumustern. Eine andere lief nach unserer Hütte und holte sich unseren Wassereimer, den sie dann alle als Spiegel benutzten. Dangai ist eben ein so abgelegener und armseliger Ort, dass man von europäischen Artikeln ausser Sulus und Messern dort noch nicht viel kennt.

Jungen hatten unterdessen eine grosse Schüssel Kalkbrei gebracht, und alle lagerten sich um sie herum, ihre Häupter damit zu beschmieren, und mit den gespreizten Fingern beider Hände den Brei recht gleichmässig in die Haare zu kämmen, immer nach oben streichend, bis Haare und Brei zu einer festen Masse erstarrten und aussahen wie die Frisur einer Gypsbüste. Schliesslich steckten sie Diademe von Papageifedern in den noch weichen Stoff und beguckten sich im Wassereimer, indem sie übergeflossene Theilchen an der Stirn und am Nacken mit Stäbchen abschabten und dadurch scharfe Konturen herstellten. Die dunkelbraunen Gesichter kontrastirten gar merkwürdig mit der glänzend weissen Koiffüre.

Nach Beendigung dieser Prozedur banden sie frischgewaschene Sulus um, schlangen Blätterguirlanden um die Hüften und rothgefärbte Gräser gleich Strumpfbändern um die Waden und salbten sich den Körper mit Kokosöl auf eine ziemlich einfache Weise. Jede nahm ein Stück Kokosfleisch in den Mund und kaute es aus. Dann spuckten sie den milchigen Saft auf die Hände, rieben damit flüchtig Gesicht und Busen, Arme und Beine ein, und der Sonntagsstaat war fertig. Als es zwei Stunden später zur Kirche ging, entfernten sie die bunten Papageifedern aus der Kalkfrisur. Ihr Missionär würde solch frivolen Schmuck beim Gottesdienst übel vermerkt haben.

Man sagt, dass das Einkalken der Haare als Mittel gegen Läuse diene. Wenn dies wirklich der Zweck desselben sein soll, so kann ich mit aller Bestimmtheit behaupten, dass es nicht viel hilft. Denn ich fand gekalktes rothes Haar niemals weniger infizirt von Ungeziefer als ungekalktes schwarzes. Auch theoretisch ist nicht einzusehen, warum der Kalk, welcher den Korallenbänken entstammt und wohl nur sehr oberflächlich gebrannt zur Anwendung kommt, jenen ziemlich robusten Thierchen verderblicher sei als den Haaren. Ein stark gebrannter ätzender Kalk würde nicht nur die Läuse, sondern auch die Haare ruiniren. Vielmehr glaube ich, dass das Verfahren nur einen kosmetischen Zweck hat. Man will damit den schwarzen Haaren eine röthliche Farbe verleihen, die ja auch die Schönen der Tizianischen Zeit so sehr liebten.

Bei einer näheren Untersuchung unserer räucherigen Hütte entdeckte ich auf einem Brett unter dem Dache zwei alte aus Holz geschnitzte Lanzen. Ich bot dem Eigenthümer mein letztes Taschenmesser dafür und erhielt sie. Kaum hatte ich hierdurch meine Liebhaberei für Waffen kundgegeben, so erschien ein Anderer und brachte zwei Lanzen derselben Art, die noch viel schöner waren, als die ersten. Leider besassen wir nichts mehr an Tauschartikeln oder Geld, so dass ich auf die Acquisition verzichten musste. Auch ein prachtvolles grosses Stück bedruckter Tapa, welches mich sehr reizte, musste ich zu meinem lebhaften Bedauern wegen Entblössung von allen Mitteln zurücklassen.