Der Hula Hula geniesst den Ruf, unter den vielen lasziven polynesischen Tänzen der laszivste zu sein, und was ich davon, obgleich abgeschwächt durch die dem Fremden gegenüber stets beobachtete grössere Zurückhaltung, zu sehen bekam, schien mir dies wohl zu rechtfertigen.
Zuerst setzten sich die Tänzerinnen sowohl als auch die Musikanten mit gekreuzten Beinen in zwei Reihen auf den Boden und erhoben einen gellenden Wechselgesang, indem sie bald langsam und feierlich, bald rasch und leidenschaftlich den Oberkörper und die Arme hin und her warfen und kleine birnförmige Kalebassen die mit Steinchen gefüllt waren in den Händen schüttelten, was einen heillosen rasselnden Lärm hervorbrachte. Die Melodie, zwar ewig in zwei Sätzen wiederkehrend, war viel komplizirter als die beim Haka der Maoris und beim Meke Meke der Vitis gehörten. Die zwei Tänzerinnen trugen einen dem Hula Hula eigenthümlichen Schmuck um die nackten Knöchel, bauschige Wülste aus dunklen Vogelfedern, zwischen welchen Hundezähne befestigt waren. Sie hatten nicht den gewöhnlichen langen losen Talar an, sondern eine Art Mieder und aufgeschürzte, um die Taille gebundene Röcke. Ehemals beschränkte sich das Tanzkostüm auf Blumenkränze in den Haaren und um die Brüste, auf die Knöchelwülste und auf ein kurzes Röckchen, welches nur dazu diente, empor geschnellt zu werden. Jetzt herrscht beim Hula Hula in der Regel ein höherer Grad von Bekleidung bis zu jener höchsten Dezenz hinauf, welche Pluderhosen vorschreibt. In vertrauten Kreisen soll allerdings die ursprüngliche Einfachheit noch immer sehr beliebt sein.
Nach einiger Zeit sprangen die beiden Frauenzimmer auf und begannen nun stehend, ohne ihre Plätze zu verändern, unter den nämlichen wilden Geberden, unter dem nämlichen wilden Schreien und Rasseln höchst unzüchtige Bewegungen mit dem Becken zu verüben. Immer hastiger und erregter wurde ihr Toben, die Blumenkränze flogen zerrissen zu Boden, und die braunen Zuschauer hinter unseren Stühlen geriethen in Begeisterung, lachten laut und klatschten entzückt in die Hände und betheiligten sich an dem Vergnügen, indem auch sie dieselben Hüftenbewegungen machten, so weit es der dichtgedrängt volle Raum gestattete.
Nach mehrmaligen Pausen ging es immer in derselben Weise fort, die Variationen schienen nur im Texte zu liegen, den wir nicht verstanden. Einmal warfen sich die Musikanten, welche sitzen geblieben waren, auf alle Viere nieder und führten in dieser Stellung wahrhaft bestialische Zuckungen aus.
Wir hatten für die Tänzerinnen und Musikanten und für die zahlreichen uneingeladenen Gäste Thee machen lassen, während wir selbst zu unseren Spirituosen griffen, die wir von Honolulu mitgebracht, weil solche auf Hawaii verboten sind. So kneipten wir eine Zeit lang miteinander während immer mehr Neugierige kamen, zur grossen Entrüstung Hapais, der uns bereden wollte, das ganze braune Publikum aus dem Hause zu jagen. Aber die Kanakas waren so naiv liebenswürdig in ihrer Zudringlichkeit, dass wir ihnen nicht böse sein konnten.
Als der Hula Hula vorüber war, fing draussen im Garten ein Rudel junger Männer an, vierstimmige Lieder vorzutragen, die sie von den Missionären gelernt hatten, und die mir wieder ein glänzendes Zeugniss ablegten von der grossen musikalischen Begabung der Polynesier. Sie hörten schliesslich gar nicht mehr auf zu singen, bis wir ihnen bedeuteten, dass es Zeit sei schlafen zu gehen. Solange wir in Hilo waren, wiederholten sich jeden Abend diese Konzerte.
Am nächsten Tag gingen wir aus, Pferde für die Kilaueapartie zu miethen. Ein in Hilo ansässiger Engländer, an den wir Empfehlungen hatten, war uns dazu behülflich. Fünfzehn Dollars ist der herkömmliche Preis für den fünftägigen Ritt, wobei ausbedungen wird, dass im Fall des Verunglückens eines der Thiere keine Entschädigung verlangt werden dürfe. Man brachte uns etwa zwanzig Pferde und wir trafen unsere Wahl. Dann ritten wir, um sie zu probiren, nach dem eine halbe Stunde entfernten Rainbow Fall. Der Wailuku ergiesst sich dort 20 Meter tief in ein weites Becken. Der von ihm emporgewirbelte Staubregen entwickelt im Glanz der Sonne und von der entsprechenden Stelle aus gesehen jenes zarte Phänomen, dem die Sehenswürdigkeit ihren Namen verdankt.
Nahe dem Wege stehen drei kleine kuppenförmige Hügel nebeneinander, mit grüner Vegetation überzogen. Es sind zweifellos alte Vulkane, obwohl ich nicht oben gewesen bin.
XX.
BESTEIGUNG DES KILAUEA.
Wilder Ausritt. Das Halfway House zu Olaa. Der Krater thut sich auf. Das Volcano Hotel und seine Vorzüge. Besuch des kochenden Lavakessels. Mondschein und Hölle. Beschwerlicher Abstieg nach Puna. Erstarrte Lavaströme und eingestürzte Lavadome. Kapitän Eldart und sein Gehöft Kapoho. Die warmen Quellen. Awa und Brotfrucht. Glücklich wieder in Hilo.